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Hitze setzt den Kämpfenden zu

Die Verfolgung

Deutschland an der Westfront weiter Erfolgreich. Es ist aber abzuwarten, wie viele Englische Truppen Landen werden. Herzog Albrecht und Kronprinz Rupprecht bleiben den Franzosen auf den Fersen.

Über Lunéville hinaus. – Herzog Albrecht. – Gegen Maubeuge. – Die Engländer auf dem Kontinent.

Wie heute Morgen im „Berliner Tageblatt“ ausgeführt wurde, sind unsere siegreichen Truppen – die Armee des Kronprinzen Rupprecht von Bayern und die des deutschen Kronprinzen – dem Feind an den Fersen geblieben.
Der Erfolg des Vorwärtsstürmens ist regellose Flucht der großen französischen Armee, die uns zwischen Metz und Vogesen überrennen wollte. Es ist eine tüchtige Leistung, wenn nach mehrtägigem Verfolgen schon jetzt die Linie Lunéville – Blâmont – Cirey überschritten ist. Wir wissen zwar nicht genau die Gegend des ersten Zusammenstoßes, doch dürften sich für die verfolgenden Truppen. Märsche von über 40 Kilometer ergeben. Berücksichtig man, dass diese Entfernung unter fortwährenden Kämpfen, zum Teil durch waldiges Berggelände des nordwestlichen Vogesenhanges zurückgelegt wurde, bedenkt man ferner die Strapazen des vorausgegangen vielstündigen Kampfes und endlich die herrschende Hitze, so versteht man diese Kriegsleitung richtig zu würdigen. Was wir hier schon andeuten, ist geschehen: die breit zurückflutende französische Masse ist in zwei Teile geteilt, der eine scheint nach Südwesten abgedrängt zu sein, der andere hat die Flucht mehr in westlicher Richtung genommen. Mit dem Vorstoß weit über die französische Grenze hinaus sind wir auch durch einige der Grenzsperren, welche durch französische Forts geschützt waren durchgebrochen. Vielleicht sind wir fast gleichzeitig mit den fliehenden Franzosen hindurchgekommen und haben das Feuer der Sperrforts dadurch teilweise lahmgelegt. Diese französischen Befestigungen haben wir nun im Rücken und werden sie in kurzem durch unsere Artillerie niederlegen, soweit sie nicht die Übergabe vorziehen.

Frontverlauf im Westen 2 - 26 August Quelle: Wikipedia

Frontverlauf im Westen 2 – 26 August
Quelle: Wikipedia


Der deutschen Verfolgung zwischen Metz und Vogesen hat sich dann die Armee des deutschen Kronprinzen angeschlossen. Auch sie hat mit dem Drang nach vorwärts das bisherige Ziel, rechts und links Longwy, schon überschritten und wird sich wohl in gleicher Höhe mit den von Metz vorstoßenden deutschen Truppen befinden. Durch diese gemeinsame Versorgung hat sich unsere Beute ins Große vermehrt. 150 Geschütze werden jetzt schon als erbeutet angegeben und die Zahl der Gefangenen dürfte bald weit über die zuerst gemeldeten 10 000 Mann hinausgehen.

Zwei weitere, sehr wichtige neue Nachrichten zeigen, dass es sich bei der großen Schlacht an der Westgrenze um Erfolge fast unserer ganzen Truppe handelt, die dort aufmarschiert ist. Zum ersten Mal ist die Armee des Herzogs von Württemberg genannt. Der Herzog ist duch die belgsche Provinz Luxemburg vorgedrungen, und zwar in südwestlicher Richtung, so dass die Kolonnen südlich und nördlich von Neuschateau vorbeigeführt wurden. Das Ziel seiner Armee war eine französische Armee, welche über den Fluss Semois nach Belgien eingedrungen war. Der Semois begleitet die belgische Grenze von dem neutralen Staat Luxemburg bis zu seiner Einmündung in die Maas. Da Herzog Albrecht diese französischen Truppen vollständig geschlagen hat und sie verfolgt, so werden die Franzosen nicht ohne ernste Einbuße die Ufer dieses Flusses, die von Höhen eingefasst sind, passieren können. Schon sind die Eroberung von Geschützen und die Gefangennahme vieler Truppen – mehrere Generale sind darunter – gemeldet.

Erzherzog Albrecht Quelle: Wikipedia

Erzherzog Albrecht
Quelle: Wikipedia


Seit Brüssel in deutschen Händen ist, ist das deutsche Heer nicht müßig gewesen. Ich schrieb damals, dass Besitzergreifung der Hautptstadt des Landes unsere Vorwärtsbewegungen nicht aufhalten würde. Jetzt verlautet, dass unsere Truppen westlich der Mass bereits im Vorgehen auf Maubeuge sind. Die Entfernung zwischen Brüssel und Maubeuge beträgt etwa 70 Kilometer; während dies geschrieben wird, dürfte Maubeuge deutscherseits schon genommen sein, so dass man annehmen kann, dass jene Entfernung in rund drei Tagen zurückgelegt wurde . die französische Heeresleitung hat diesem deutschen Vorgehen offenbar keinen ernstlichen Widerstand, wenigstens nicht auf belgischem Gebiet, entgegensetzen wollen, so dass unsere vorgehende Armee dortselbst, der amtlichen Meldung nach, nur einen Triumph erleben konnte, der allerdings in Deutschland ganz besonders Freude erweckt haben wird. Eine englische Kavalleriebrigade, die vor der Front unserer Truppen angetroffen wurde, ist geschlagen worden. Wir wollen hoffen, dass es uns gelingt, die übrigen Teile des englischen Expeditionskorps noch vor ihrem Wiedereinschiffen über den Kanal in offener Feldschlacht zu fassen.

Es ist noch nicht bekannt geworden, wie stark die englischen Truppen auf dem Kontinent sind. Die größtmögliche Zahl könnte sich auf 160 000 Mann belaufen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die ganze Truppenmacht bereits eingeschifft wurde oder noch eingeschifft werden wird. alles an verfügbaren wertvollen Truppen auf den Kontinent zu werfen, würde nicht dem sonst beliebten vorsichtigen Abwarten Englands entsprechen. Viel wahrscheinlich ist es, dass zunächst die immer zum Ausrücken in Aldershot bereite „Striking Force“ gelandet wurde, in einer Stärke von rund 50 000 Mann, und dass man zunächst den Gang der Ereignisse abwartet, ehe man sich entschließt, weitere Divisionen nachzuschieben. Aus den Verhandlungen, welche vor einigen Monaten im französischen Parlament und Senat gepflogen wurden, ist bestätigt worden, dass die Befestigung des nördlichen Teils der belgisch-französischen Grenze keine starke genannt werden kann. Maubeuge selbst hat nur ältere Werke, ebenso die kleine Festung Condé. Erst Lille kann uns einigen Aufenthalt bereiten. Wir dürfen hiernach hoffen, dass die Vorwärtsbewegung über die französische-belgische Grenze ohne viel Aufenthalt im Fluss bleibt und sich an jedem Tage der feindlichen Hauptstadt mehr nähert.

Major a. D. E. Moraht.