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Ausgangssperre

Durch das besiegte Belgien

In Lüttich. Beschießung und Fall von Namur. Die belgisch-französische Südarmee vernichtet. Drohende Hungersnot. Kriegsgefangene.

Aachen, 28. August.

Es ist mir trotz der unnachsichtlichen Sperrung für Zivilisten sank der Liebenswürdigkeit der deutschen Kommandantur gelungen, von Aachen über Lüttich bis Namur und Gembloux zu kommen. In Lüttich wurde am 19. August angeblich von russischen Studenten geschossen. Daraufhin wurden die Straßenzüge und die prachtvollen Geschäfte an der Place de l’Université, gegenüber der Universität, eingeäschert, doch fielen noch immer Schüsse. Die Proklamation des Feldmarschalls von der Goltz befiehlt, dass alle Türen offen und die Fenster nachts erleuchtet sein müssen: nach 7 Uhr abends darf kein Mensch mehr auf der Straße sein. Es gab keine Zeitung, keine Post, kein Telefon, und wurden 5 Francs für eine deutsche Zeitung geboten. Die Zeitrechnung ist deutsch und alles steht unter deutscher militärischer Oberhoheit. Ich fuhr am 26. August nach Namur. Unterwegs begegnete uns ein Transport belgischer und französischer Gefangener nach Lüttich, zerlumpte Gestalten, die hungernd gierig dargebotene Früchte den Einwohnern aus den Händen rissen und sich auf das Trinkwasser stürzten, ein trauriges Schauspiel. Zuaven folgten in roten Hosen, die Frauen der Franzosen an Männer angeklammert, so bewegte sich der elende, von deutschen Soldaten bewachte Zug. Unterwegs kam ich durch das Dorf Andenne; hier hatte man am 19. die Glocken geläutet und auf deutsche Truppen geschossen. Darauf wurde das Dorf in Brand geschossen. Ich erreichte Namur erst am 27. August und übernachtete abenteuerlich in einer einsamen Villa am Wege, weil die Brücken von den deutschen Truppen gesperrt waren. den folgenden Bericht über die Einnahme Namurs gebe ich nach der dort erschienen, behördlichen genehmigten Zeitung: Am frühen Morgen des 23. wurden die Zwischenräume zwischen den Festungen Congnelee, Marchovelette und Maizeret von den Deutschen besetzt. Diese marschierten auf die Stadt zu. Die belgisch-französischen Truppen durcheilten die Stadt in wilder Flucht und zogen sich nach Osten zurück; sie wurden geschützt von dem Feuer der Forts. Zur Deckung wurden die Brücken über die Maas von belgischen Pionieren gesprengt, ohne jedoch das Vordringen der Deujtschen aufzuhalten. Inzwischen eröffneten die deutschen schweren Geschütze, die bereits am 21. und 22. Namur beschossen hatten, das Feuer auf die Zitadelle. Gegen Mittag griffen stärkere Geschütze von Champion aus ein, sie warfen Bomben und Granaten über die Stadt und trafen Gebäude und Menschen. Die Einwohner retteten sich in die Keller. Die deutschen Truppen besetzten darauf die Stadt. Die letzten Kämpfe entbrannten am Montag in Bioul und endeten am Dienstag mit der Erbeutung zahlreicher Gefangener und der Vernichtung der belgisch-französischen Südarmee. Die Einwohner von Namur hoffen auf baldigen Frieden, da Hungersnot droht und kein Brot mehr vorhanden ist. Ganze Stadtteile sind völlig zertrümmert, das Rathaus in Brand geschossen und die schöne Grand Place vernichtet. Die Feinde glaubten, dass die Deutschen zwischen den schwächeren Forts eindringen würden. Unsere Truppen umgingen jedoch die starken Forts und griffen die Feinde im Rücken an. Ich fuhr dann weiter nach Gembleaux und besuchte das Gefangenenlager. Auch hier ist Wochen Mangel an Brot. Ich erreiche am 27. abends in gefährlicher Autofahrt Lüttich und kam von da im Militärzug zurück nach Aachen. Der Eindruck des erlebten glänzenden militärischen Schauspiels hat die sichere Zuversicht auf den Sieg unserer Waffen bei mir zu unerschütterlichen Gewissheit gemacht.