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Ermordung einer Wirtschafterin und Selbstmordversuch

Ein Frauenmord in Oranienburg

Ein 54-jähriger Oranienburger hat wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten versucht, sich das Leben zu nehmen. Bei seiner Rettung entdeckte man die Leiche seiner Haushaltshilfe, die der Mann wohl zuvor ermordet hatte.

Ein unter geheimnisvollen Umständen erfolgter Mord und Selbstmordversuch hat die Bevölkerung von Oranienburg in den gestrigen Abendstunden in große Aufregung versetzt. Dort ermordete der in der Leynitzstraße 21 wohnende Pensionär Franz Collin seine in der Mitte der dreißiger Jahre stehende Wirtschafterin Frl. Linke durch Dolchstiche und suchte sich dann selbst durch mehrere Stiche in die Herzgegend zu entleiben. Zu dem Verbrechen erfahren wir folgende Einzelheiten:

Collin, ein 54 jähriger, unverträglicher Mensch, wurde vor acht Monaten von seiner Frau auf deren Wunsch geschieden. Er hielt sich seitdem als Wirtschafterin Fräulein Linke, und erwarb auch eine neue Wohnungseinrichtung. Dadurch, und durch die seiner geschiedenen Frau vom Gericht zugesprochene finanzielle Unterstützung durch Collin kam dieser in immer tiefere Schulden, die schließlich dazu führten, dass ihm die Möbel wieder abgeholt werden sollten. Als nun gestern Abend um 7 Uhr der Möbelhändler mit ein paar Gehilfen erschien, um seine Möbel abzuholen, öffnete Collin nur widerstrebend und zog sich auch sofort in sein Schlafzimmer zurück, während sich der Händler daran machte, die Küchenmöbel aus der Wohnung herauszuschaffen. Nach einigen Minuten drang aus der Stube, in der sich Collin befand, ein dumpfes Röcheln, und die darauf in das Zimmer eindringenden Gehilfen fanden Collin bewusstlos auf dem Bett liegend; mit einem Hirschfänger hatte er sich drei tiefe Stiche in die Herzgegend beigebracht. Ein Schutzmann veranlasste die Überführung des Schwerverletzten in das Krankenhaus und fand bei einer weiteren Durchsuchung der Wohnung in ihrem Schlafzimmer die Wirtschafterin Fräulein Linke mit mehreren Stichwunden in der Herzgegend tot auf dem Boden liegend. Die Leiche war bereits erkaltet, so dass dieser Mord schon am frühen Morgen erfolgt sein musste. (Collin), der wieder zu Bewusstsein kam, wurde gefragt, warum er Fräulein Linke getötet habe. Er erklärte, die Frau auf deren Wunsch erstochen zu haben. Man steht dieser Erklärung natürlich skeptisch gegenüber. Eine andere Version, dass ihn seine erdrückende Schuldenschaft zu der Tat veranlasst habe, erscheint wenig glaubhaft, um so mehr, als versichert wird, dass zwischen dem Mann und seiner Wirtschafterin keinerlei engere Beziehungen bestanden.