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Vor der Themse

Ein Gefecht vor der Themsemündung

Ein ehemaliger Bäderdampfer ist beim Minenlegen vor der englischen Küste von einem Schiff der englischen Marine angegriffen worden. Beide Schiffe sind bei dem Gefecht gesunken, ihre Besatzungen zum Teil ertrunken.

Ein deutscher Bäderdampfer gegen eine englische Torpedobootsflotille.

Der englische Kreuzer „Amphion“ und der Dampfer „Königin Luise“ gesunken.

Ein Bäderdampfer der Hamburg-Amerika-Linie, die „Königin Luise“, die in den Dienst der kaiserlichen Marine gestellt worden ist, hat eine außerordentlich kühne Fahrt unternommen und ist dabei von englischen Schiffen angegriffen und in den Grund gebohrt worden. In diesem Gefecht aber haben die Engländer gleichfalls einen Verlust erlitten, denn auch der Kreuzer, der die „Königin Luise“ angegriffen hatte, ist gesunken. Amtlich wird gemeldet:

Ziemlich sicheren Gerüchten zufolge ist der von der kaiserlichen Marine übernommene Bäderdampfer „Königin Luise“ beim Legen von Minen vor dem Kriegshafen an der Themsemündung von einer englischen Torpedobootsflotille unter Führung des kleinen Kreuzers „Amphion“ angegriffen und zum Sinken gebracht worden. „Amphion“ selbst ist auf eine von der „Königin Luise“ geworfene Mine gelaufen und gesunken. Von der englischen Besatzung sind dem Vernehmen nach 130 Mann ertrunken, 150 gerettet. Von der 6 Offiziere und 114 Mann zählenden Besatzung der „Königin Luise“ ist ebenfalls ein Teil gerettet.

Die Besucher der deutschen Nordseebäder kennen die weiße „Königin Luise“, die bis vor kurzem noch den friedlichen Bäderverkehr diente und nun bei einem Versuch, der als heldenhaft bezeichnet werden darf, mit einem Teil der tapferen Mannschaft vernichtet worden ist. Es ist dieselbe „Königin Luise“, die am 23. Juni, während der Regatta auf der Unterelbe, die Gäste des norddeutschen Regattavereins an Bord führte und mit der „Cobra“ zusammenstieß, wobei ihr der Bug eingedrückt wurde, während die „Cobra“ eine schwerere Beschädigung davontrug. Der Kreuzer „Amphiton“ gehörte zu den neueren und wertvolleren der britischen kleinen Kreuzer. Im Jahre 1913 fertiggestellt, entwickelte das von Turbinen getriebene Schiff bei 18 000 indizierten Pferdestärken die hohe Geschwindigkeit von 25 Knoten. Sein Deplacement aus zehn vierzölligen Geschützen. Die Tatsache, dass ein Schiff wie die „Königin Luise“ es unternommen hat, bis zur Themsemündung vorzudringen, ist ein glänzender Beweis für den furchtlosen Unternehmungsgeist, der in der deutschen Marine herrscht.