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Textilindustrie in der Lausitz

Ein Vermittlungsversuch im Lausitzer Lohnkampf

Der Arbeitskampf in der Lausitzer Textilindustrie hat sich derart zugespitzt, dass die Regierung nun plant, einzugreifen. Sie will sich sowohl mit Arbeitgebern als auch mit Arbeitnehmervertretern zusammensetzen.

Kottbus, 20 Juli

Wie ich höre, will die Bundesregierung den Versuch machen, den Kampf in der Lausitzer Tuchindustrie, der nun durch die am Sonnabend erfolgte Aussperrung der 30 000 Arbeiter und Arbeiterinnen zum offenen Ausbruch gekommen ist, auf dem Wege der Vermittlung beizulegen. Dem Regierungspräsidenten von Schwerin in Frankfurt a. Oder wurde am Sonnabend von der Aussperrung offiziell Mitteilung gemacht und ihm die Einleitung eines Vermittlungsverfahrens anheimgestellt. Es verlautet nun, dass die Regierung sich in den nächsten Tagen bereits mit den maßgebenden Organisationen der beiden Parteien in Verbindung setzten wird. In den Versammlungen der ausgesperrten Arbeiter, die heute in allen Städten des Reviers abgehalten wurden, wurde erklärt, dass die Arbeiterorganistation sich niemals ablehnend verhalten würden, wenn die Hand zum Frieden geboten werde. Ebenso betonen die Leiter der Arbeitgeber, der Arbeitgeberverband habe wiederholt seine Bereitwilligkeit erklärt, in weitere Verhandlungen einzutreten, sobald die Arbeiter es wünschen. Er sei zu diesen Verhandlungen auch in dem Falle bereit, wo er keine materiellen Zugeständnisse machen könne.