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Trotz tapferer Gegenwehr...

Einnahme der letzten Forts von Namur

Sämtliche Forts gefallen und in deutschem Besitz. Ein neuer Sieg der kronprinzlichen Armee. Starke französische Streitkräfte zurückgeschlagen. Longwy genommen.

Amtlich wird unterm 26. August gemeldet:

Bei Namur sind sämtliche Forts gefallen, ebenso ist Longwy nach tapferer Gegenwehr genommen. Gegen den linken Flügel der Armee des deutschen Kronprinzen gingen aus Verdun und östlich starke Kräfte vor, die zurückgeschlagen sind. Das Oberelsass ist bis auf unbedeutende Abteilungen westlich Kolmar von den Franzosen geräumt.

Wie es zu erwarten war, sind die vier Forts von Namur, welche am 25. August als letzte von den neun vorgeschobenen Werken der Festung noch in Händen der Belgier waren, jetzt in deutschen Besitz gelangt. Jetzt kann die Umwandlung Namurs zum Stützpunkt unserer rückwärtigen Verbindungen beginnen. Dass auch die französische Grenzfestung Longwy genommen ist, bedeutet einen weiteren Erfolg. Zwar ist Longwy nach Bauart und Lage nur eine Sperre von minderer Bedeutung, doch erhöht der deutsche Besitz dieses Platzes wiederum die Sicherheit der Verbindungslinie, die von unserem Felde her durch Luxemburg führen wird.

Wie noch erinnerlich sein wird, ist die siegreiche Armee des preußischen Kronprinzen bereits über Longwy hinaus verfolgend vorgedrungen. Die gegebene Vormarschlinie war Verdun. Es war zu erwarten, dass von hier aus neue französische Streitkräfte den Flüchtenden zur Aufnahme entgegengesandt wurden. Verdun ist der vierte der großen Waffenplätze an der französischen Ostgrenze. Andauernd ist er Gegenstand umfangreicher Ergänzungsbauten gewesen, denn seine Lage als linker Flügel der breiten Befestigungsfront gegen Deutschland erfordert ganz besondere Beachtung. Territorial zum 6. französischen Armeekorps gehörig, hatte der Platz im Frieden schon eine recht starke Besatzung: die Stäbe der 42. Infanteriedivision und 84. Infanteriebrigade, die Infanterieregimenter 151 und 162, die Festungsregimenter 164, 165 und 166, das 61. Artillerieregiment und endlich sieben Batterien Fußartillerie des Regiments Nr. 5 und das 9. Genieregiment. Da das französische Heer uns zur Entscheidung in offener Feldschlacht entgegenrückte, wird Verdun höchstens noch durch territoriale Formationen verstärkt sein.

Dass die von hier der kronprinzlichen Armee entgegengesandten Streitkräfte zurückgeschlagen sind, ist nicht nur wichtig als Sieg unseres Feldheeres. Die moralische Depression, welche zurückflutende Truppen in eine Festung tragen, ist noch höher anzuschlagen. Die Standhaftigkeit der Besatzung bei einer nachfolgenden Belagerung pflegt durch die geretteten Teile einer geschlagenen Feldarmee schwer erschüttert zu werden.