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Urteil eines Kriegsgerichts

Eiserne Disziplin bis ins Krankenzimmer

Weil ein verletzter Soldat im Krankenhaus den Befehl eines Sanitätsoffiziers nicht befolgte, wurde er von einem Kriegsgericht wegen Befehlsverweigerung verurteilt. Dem Soldaten drohen nun zwei Monate Gefängnis - dabei hatte er eigentlich nur Hunger.

Der Soldat Lucht vom 103. Infanterie-Regiment war am 25. Juni wegen einer Beinverletzung in die Revierkrankenstube eingeliefert worden, wo ihm eine Schiene nebst Verband angelegt wurde. Der Arzt ordnete an, das Lucht im Bett bleiben und den Verband nicht abnehmen solle. Weil Lucht aber nach seiner Angabe von der Kompanie kein Mittagessen erhalten und deshalb Hunger hatte, wollte er sich am 27. Juni nach dem Kompagnierevier begeben und dort Brot holen. Er verließ das Bett und kleidete sich an.

Der hinzukommende Sanitätsoffizier befahl ihm aber – auch im Krankenzimmer hört der militärische Gehorsam nicht auf – sich auszukleiden und wieder ins Bett zu legen. „Ich ziehe mich an und gehe raus!“ antwortete der Soldat und ließ den Befehl umbefolgt. Im Anschluss daran hat er dann „gemurmelt“. Das „Murmeln“ bestand nämlich darin, dass Lucht sich halblaut missmutig darüber aussprach, dass sich die Kompanie bezüglich des Mittagessens nicht um ihn kümmerte. Dabei soll die Stellung nicht stramm und militärisch gewesen sein – bei diesem kranken Soldaten. Der Sanitätsunteroffizier tat noch eins überdies, er bemängelte sogar die Kopfhaltung und befahl den kranken Soldaten, den Kopf höher zu nehmen. Das soll Lucht nicht ordnungsgemäß getan haben. Mit diesen harmlosen Vorgängen war nach militärischen Begriffen eine „schwere Insubordination“ begangen und des Dresdner Kriegsgericht warf dafür eine orbiträre Strafe von zwei Monaten Gefängnis aus!