Politik > International >

Presse gegen Österreich

Französische Verteidiger Serbiens

Weder Serbien noch die Serben haben nach Auffassung der französischen Presse die Spannungen mit Österreich verursacht. Insofern trage auch Österreich Schuld an dem Attentag auf den Thronfolger und seine Frau.

Paris, 1. Juli.

In den wieder verschärft auftretenden Gegensätzen zwischen Österreich und Serbien nimmt die hiesige öffentliche Meinung auf das entschiedenste Partei für Serbien. Man hat selbstverständlich die Mordtat des vorigen Sonntags in Frankreich ebenso wie im übrigen kultivierten Europa verurteilt, aber man widersetzt sich der Auffassung, dass Serbien für diese Tat verantwortlich zu machen sei. Die heutige Abendpresse schlägt sehr energische Töne gegen Österreich an. Das „Journal des Debats“ bringt einen Artikel mit der Überschrift „Das Drama von Sarajewo und der österreichische Schwindelanfall“ (vertige), in dem von dem „Zynismus und der Wildheit von Österreich“ gesprochen wird. „Offenbar“, so heißt es da, „benützen die Anhänger einer größeren Wiener Politik, die Männer, die Kaiser Franz Josef im Jahre 1909 und 1912 zu einer Besetzung Serbiens drängten, jetzt den Vorwand dieses Verbrechens, um ihre Kampagne aufs neue aufzunehmen.“ Der „Temps“ meint, weder die serbische Regierung noch das serbische Volk seien für die Trauer Österreichs verantwortlich zu machen. Wenn das Verbrechen vom letzten Sonntag auch in Verbindung stehe mit der Spannung der beiden letzten Jahre, so habe doch weder die serbische Regierung noch das serbische Volk schuld an dieser Spannung. Sache der Gerechtigkeit und der Klugheit sei es, den skandalösen Szenen, die sich in den östlichen Provinzen Österreichs abgespielt hätten, schnell ein Ende zu machen.