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Jachten mit Trauerbeflaggung

Kieler Woche

Auch die Kieler Woche steht ganz im Zeichen der Trauer um Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gattin. Die Wettfahrten der Segeljachten fanden dennoch statt.

Mit dem Kaiser und der Kaiserin haben viele der sonst gern gesehenen Gäste Kiel verlassen. Die Startdampfer, die Richterdampfer, die Begleitfahrzeuge und alle Dampfjachten, die direkt an den Rennen beteiligt sind, fahren zum Zeichen der Trauer über den Tod des österreichischen Thronfolgerpaares nicht anders, als die Flagge halbstock gesetzt. Die Sonderklasse hatte ihre dritte Wettfahrt, die mittags 12 Uhr auf der Außenföhrde vor Laboe begann. Der Wind war anfangs Südwest bei drei Metern Geschwindigkeit. Aus dem Sechserfelde sondierten sich bald zwei Boote für die Führung ab: der diesjährige Berliner Neubau „Hecht“ und die „Elisabeth“ des Prinzen Eitel Friedrich, ein Boot aus dem Jahre 1912. Der Erstere hatte beim Schneiden der Kurve die bessere Lage, stand jedoch zu weit unter Land, und „Elisabeth“ fand im offenen Wasser den besseren, gerade in diesem Augenblick nach Westen umspringenden Wind, so dass sie die Wendemarke mit bedeutendem Vorsprung als Erste passierte. Die Reihenfolge der Boote war hier: „Elisabeth“ 12 Uhr 56 Minuten 20 Sekunden, „(Fillh) XVII“ (vom Prinzen Heinrich gesteuert) 1 Uhr 1 Minute 18 Sekunden, „Lunula“ 1 Uhr 1 Minute 22 Sekunden, „Resi V“ 1 Uhr 1 Minute 55 Sekunden, „Hecht“ 1 Uhr 2 Minuten 32 Sekunden und „Jutta“ 1 Uhr 3 Minuten 28 Sekunden. Da die „Elisabeth“, die von dem Hamburger Segler Weßmann gesteuert wurde, auch im weiteren Verlauf noch vom Winde begünstigt war, gewann sie ganz überlegen. Das Schlussresultat des Rennens war folgendes: 1. „Elisabeth“ 3 Stunden 12 Minuten 41 Sekunden; 2. „(Fillh)“ 3 Stunden 25 Minuten 31 Sekunden; 3. „Hecht“ 3 Stunden 28 Minuten 39 Sekunden; 4. „Resi V“ 3 Stunden 29 Minuten 27 Sekunden; 5. „Lunula“ 3 Stunden 30 Minuten 14 Sekunden; 6. „Jutta“ 3 Stunden 32 Minuten 58 Sekunden. Mit diesem zweiten Siege der „Elisabeth“ ist der Kampf um den Samoa-Pokal des Kaisers entschieden. Außer dem Kaiserpreis gewann Prinz Eitel Friedrich auch noch den von dem Amerikaner Armour gestifteten kostbaren Pokal, während „Resi V“ als Siegerin der ersten Wettfahrt den Kronprinzenpokal erhielt.

In der Wettfahrt der 15-Meter-R-Klasse um den Commodore-Pokal fiel ebenfalls die Entscheidung. Es hatten sich für diese die Verteidigerin „Paula III“ des Herrn Sanders, „Hamburg“ und die englische Jacht “Pamela“ des Herrn Glenholm Braglen qualifiziert. Die Entscheidung fand bei leichter westlicher Brise statt. „Paula III“ sicherte sich anfangs die Führung, die sie bis zum Schluss der ersten Runde auf 1 Minute 10 Sekunden erweiterte, dann den Vorsprung vergrößerte und nach dem zweiten Kreuzgang bei der Kieler Leuchttonne mit 3 Minuten 50 Sekunden Vorsprung führte. Es war nur noch die kurze Strecke bis zum Ziel bei rauem Winde zurückzulegen, für die „Paula“ den Spinnaker am Steuerbord, die Engländer ihn umgekehrt setzten. Trotzdem dies für die letzteren nicht vorteilhaft war, verringerte sich doch der Abstand zwischen den beiden Booten, und als auf der „Pamela“ das Großsegel geschiftet wurde, um den Fehler gutzumachen, lag sie bald neben der „Pamela“. Alles glaubte nun, dass der Pokal wieder nach England gehen würde, als es kurz vor dem Ziel der „Paula“ glückte, davonzugehen und mit zwei Bootslängen zu gewinnen. Die Zeiten der beiden Jachten waren 5 Stunden 55 Minuten 08 Sekunden für „Paula III“, 5 Stunden 55 Minuten 40 Sekunden für „Pamela“ für den 34 Seemeilen langen Kurs. Die „Paula“ hat damit den Preis endgültig gewonnen, da Sanders mit der vorigen „Paula“ 1911 in England gewann und mit der jetzigen „Paula“ 1913/14 die erforderlichen zwei weiteren Siege errang.

Die dritte Wettfahrt, die am Vormittag bei regnerischem, nebligem Wetter auf der Außenförde begann, umfasste die internationalen R-Klassen von acht Meter abwärts. Sehr heiß war der Kampf in der 8-Meter-Klasse, in der die Schwedin „Astrid“ lange mit „Toni XI“ und der „Linda“ um die Führung stritt. „Astrid“ gewann schließlich überlegen in 2 Stunden 17 Minuten 58 Sekunden vor „Toni“, die mit 2 Stunden 21 Minuten 56 Sekunden den zweiten Preis erhielt. Gegen die Schwedin schwebt indes ein Protest. In der 7-Meter-R-Klasse gewann die Hamburgerin „Panne“ gegen die dänische Vertreterin „Deb“ in 2 Stunden 26 Minuten 09 Sekunden, die Dänin brauchte 2 Stunden 27 Minuten 51 Sekunden. Von den 6-Meter-Jachten erhielt „Margarete“, die zum Schluss auch, zwischen dem Wind, der belgischen Jacht „Edelweiß II“ davonlief, den ersten Preis. Die Zeiten in dieser Klasse waren: „Margarete“ 2 Stunden 34 Minuten 05 Sekunden; „Edelweiß“ 2 Stunden 35 Minuten 09 Sekunden; „Schelm“ 2 Stunden 35 Minuten 45 Sekunden; „Rurdug“ 2 Stunden 35 Minuten 46 Sekunden. Von den kleinen 5-Meter-Booten gewann der Neubau des Herrn Freitschke „Maja“ gegen „Hannchen“ und „Mariannchen“.