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Togo und Neu-Mecklenburg

Koloniales

Seit genau dreißig Jahren befindet sich Togo unter deutscher Schutzherrschaft. In Neu-Mecklenburg haben deutsche Truppen einen Überfall Eingeborener gerächt. Belgien erhöht Kopfsteuer für Vielweiberei.

Togo dreißig Jahre unter deutscher Schutzherrschaft

Am heutigen Sonntag sind drei Jahrzehnte verflossen, seit Togo unter deutschen Schutz gestellt wurde. Der nach der Einleitung unserer Kolonialpolitik zum Reichskommissar für Westafrika ernannte Dr. Nachtigal hisste am 5. Juli 1884 in Togo die deutsche Flagge. Neun Tage später folgte die Besitzergreifung Kameruns, wo am 14. Juli 1884 die Flaggenhissung stattfand. Beide Schutzgebiete wurden bekanntlich zuerst nur gering bewertet, doch begann in den neunziger Jahren der europäische Handel ihren Produkten größere Aufmerksamkeit zu schenken. Welche Entwicklung die beiden Schutzgebiete aufzuweisen haben, ergibt sich daraus, dass seit Beginn dieses Jahrhunderts die Einfuhr Togos von 4,7 auf 11,4 Millionen im Jahre 1912, seine Ausfuhr von 3,7 auf 10 Millionen Mark, die Einfuhr Kameruns von 9,4 auf 34,2 Millionen und seine Ausfuhr von 6,3 auf 23,3 Millionen Mark gestiegen ist. Beide Schutzgebiete bieten hinsichtlich ihrer weiteren Fortentwicklung die besten Aussichten.

 

Sühne für den Überfall auf Neu-Mecklenburg

Der gegen Ende vorigen Jahres auf den Oberförster Deininger und den Forstassessor Kempf auf Neu-Mecklenburg verübte Überfall hat nunmehr seine Sühne gefunden. Das Amtsblatt von Neu-Guinea bringt einen ausführlichen Bericht über die erfolgreich durchgeführte Strafexpedition unter Führung von Hauptmann Prey. Die Expedition erreichte an der Westküste der Insel in Kambaru und an der Ostküste in Mulkama befestigte Lager und drang dann in zwei starken Kolonnen gleichzeitig von Osten und Westen in das Gebiet der aufrührerischen Stämme vor. Auf außerordentlich anstrengenden Tag- und Nachtmärschen kam es wiederholt zu blutigen Zusammenstößen mit den Eingeborenen, bei denen eine Anzahl der Aufständischen erschossen und ein großer Teil gefangen genommen wurde. Man ließ dem Gegner keine Ruhe und drang bis in die unwirtschaftlichen Gegenden vor. Bei einem plötzlichen Überfall gelang es Hauptmann Prey, eine Anzahl der an dem Überfall Deininger-Kempf Beteiligten gefangen zu nehmen. Häuptling Lam, einer der Haupträdelsführer, fiel dabei auf der Flucht. Bei der Einnahme des Dorfes Banbun fand der gleichfalls an dem Überfall beteiligte Häuptling Marit seinen Tod. Die am Überfall Beteiligten wurden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt, alle übrigen Gefangenen wieder freigelassen.

 

Die Erhöhung der belgischen Kopfsteuer

Der Kolonialrat in Brüssel nahm den Gesetzentwurf der Regierung an, der eine Erhöhung der Kopfsteuer für die Eingeborenen bezweckt. Die Steuer ist nur von den Eingeborenen zu bezahlen, die der Vielweiberei huldigen.