Die Neue Preußische Zeitung („Kreuzzeitung“)

Die Neue Preußische Zeitung – in der Öffentlichkeit allgemein als Kreuzzeitung bekannt, wobei das Eiserne Kreuz in der Vignette namensgebend wirkte – erschien von 1848 bis 1939 und galt als Haus- und Hoforgan der altpreußischen Eliten aus Adel, Großgrundbesitz und Offizierskorps. Obwohl sie nicht das offizielle Parteiorgan der 1876 gegründeten Deutschkonservativen Partei war, galt sie als Stimme des rechten Flügels des preußisch-deutschen Konservatismus. Sie vertrat damit die so genannte „kleine aber mächtige Partei“ (Hermann Wagener), die bei den Reichstagswahlen zwar eher mäßige Ergebnisse erzielte, aber aufgrund ihrer direkten Nähe zum Herrscherhaus und der besonderen Machtverhältnisse in Preußen (Dreiklassenwahlrecht) in Verbindung mit der preußischen Sonderstellung im Deutschen Reich eine höchst einflussreiche Position hatte. Die verhältnismäßig geringe Auflage, die selten fünfstellige Ziffern erreichte, sagt insofern wenig über den realen politischen Stellenwert des Blattes aus.

Die Kreuzzeitung entstand in den Tagen der Märzrevolution von 1848 und kann als Antwort der Konservativen auf die liberale Dominanz im Pressebereich gesehen werden. Sie gilt als Katalysator konservativer Parteibildung: Aus dem Mitarbeiter- und Leserkreis heraus formierte sich die Partei, die sich 1876 den Namen Deutschkonservative Partei gab, aber stets preußisch dominiert blieb. Zu den Gründern gehörten maßgeblich die Gebrüder Gerlach: der strengkonservative Jurist Ernst Ludwig von Gerlach und dessen Bruder Leopold, der als Adjutant des Königs zum inneren Kreis bei Hofe zählte. Der erste Chefredakteur war Hermann Wagener; es folgten u.a. Philipp von Nathusius-Ludom und Wilhelm von Hammerstein. Zeitweise gehörte Otto von Bismarck zu den freien Mitarbeitern, bis er sich in der Zeit seiner Reichskanzlerschaft mit dem fundamental-konservativen Blatt überwarf. Die redaktionellen Verhältnisse am Vorabend des Ersten Weltkrieges sowie während des Krieges müssen noch geklärt werden.

Die Kreuzzeitung war antidemokratisch, antisemitisch und monarchistisch ausgerichtet, vertrat ein orthodoxes protestantisches Christentum und betrieb Lobby-Politik für die Landwirtschaft. Den Nationalsozialisten war sie ein Dorn im Auge; am 29. August 1937 teilten die Herrschenden den Lesern der Zeitung lapidar mit: „Mit dem heutigen Tage haben wir die ´Kreuzzeitung` übernommen.“ Zwei Jahre später wurde das Blatt eingestellt.