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Beschluss der Kinobesitzer

Krieg und Kino

Französische Filme sollen künftig keinen Platz mehr in deutschen Kinos haben. Stattdessen suchen Kinobetreiber nun nach Filmen, die dem deutschen Nationalgefühl Rechnung tragen.

Auch die Kinobesitzer „besinnen“ sich mit einem Schlage auf ihre nationale Pflicht. Sie waren, wie es in einem Aufruf heißt, den der Verein der Lichtbild-Theaterbesitzer Groß-Berlins und der Mark Brandenburg erlassen hat, in Friedenszeiten weitherzig und großzügig, und haben ohne Rücksicht auf die Nationalität alle Films gebracht, die dem Publikum voraussichtlich gefallen mussten. Das soll jetzt anders werden.

Die Kinobesitzer haben sich eng aneinander geschlossen und wollen nicht mehr weitherzig sein. Sie waren in Friedenszeiten großzügig, wollen es aber jetzt, in großen Zeiten nicht mehr sein. „Kein französischer Film mehr im Programm!“ Mit diesem Schlachtruf stürzen sie sich in die Zukunft, die dem Kino in einem speziellen Genre blüht. Es heißt: Hochpatriotischer Film. Die deutsche Filmindustrie muss es sich jetzt zur dankbaren Aufgabe machen, geeignete Ersatzfilms zu liefern, die dem Nationalgefühl des deutschen Volkes Rechnung tragen und am ehesten in der Lage sein werden, den Kinobesitzern über die schweren Zeiten hinwegzuhelfen.“ Die Kinos arbeiten mit Unterbilanz, es muss also dem Nationalgefühl des deutschen Volkes Rechnung getragen werden. Keinen Meter französischen Filmdrecks mehr. Nur Schlager deutscher Provenienz. Kunst, Theater und Wissenschaft liegen danieder, aber für patriotische Filmreißer kommt Hochkonjunktur.