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Kriegführung und Öffentlichkeit, Zensur und Presse

Seit Beginn des Krieges wird über die Notwendigkeit von Zensur diskutiert. Dabei ist die Zensur militärischer Meldungen nicht nur notwendig, sondern gut.

Über die Notwendigkeit weitergehender Geheimhaltung in einem modernen Kriege ist besonders in diesen Tagen des beginnenden Ringens um Deutschlands Existenz und Weltfeststellung schon so viel geschrieben worden, dass es fast überflüssig erscheint, noch einemal hierzu das Wort zu ergreifen. Es kommt uns aber heute darauf sn, auf gewisse Zusammenhänge zwischen den obengenannten Begriffen hinzuweisen, die häufig übersehen werden und die zur Verurteilung, namentlich der Regierungsmaßnehmen, doch wesentlich sind. Welche Vorteile für ein kriegführendes Volk die Geheimhaltung seitens Regierung und Kriegsleitung, gepaart mit äußerster Verschwiegenheit des ganzen Volkes, zu bringen vermag, zeigt die Geschichte des russisch-japanischen Krieges aufs deutlichste. Es ist nicht zu verkennen, dass die deutsche Kriegsleitung in dieser Beziehung von den Erfolgen der Japaner gelernt hat. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass in dem dichten Schleiern der heutzutage über alle Operationen und Bewegungen und über das Schicksal der im Felde Stehenden gezogen wird, eine große Härte für die Zurückbleibenden, insbesondere für die Angehörigen liegt. Diese Härte, die den im Lande Bleibenden auferlegt wird, muss aber als eines der Opfer betrachtet werden, die das gesamte Volk in Kriegszeiten für das Vaterland zu bringen verpflichtet und – Gott sei es gedankt – bei uns in Deutschland ja auch von Herzen willens ist.

Wenn also die Kriegsleitung auf Grund des bestehenden Kriegszustandes dazu schreitet, alle Aufsätze über militärische Dinge einer Zensur zu unterziehen, so ist dies nicht nur gerechtfertigt, sondern geradezu geboten. Dass eine solche Zensur tief, nicht nur in den Betrieb, sondern auch in die wirtschaftlichen Verhältnisse des Zeitungsgewerbes eingreift, leuchtet ohne weiteres ein; denn das Nachrichtenmaterial, das in solcher Zeit bei den Redaktionen zusammenströmt, steht fast ohne Ausnahme in irgendwelcher Beziehung zum Kriege. Je größer nun die Zurückhaltung ist, die die Zensur der Verbreitung von Nachrichten oder auch Aufsätzen allgemein unterrichtenden Inhalts auferlegen muss, umso schwieriger wird es den Zeitungen, ihre Leser zu befriedigen. Dies gilt in ähnlicher Weise von bildlichen Darstellungen wie von textlichen Lesestoff. So besteht hier eine wirtschaftliche Folgeerscheinung des Krieges und der Zensur, unter der die Presse und was mit ihr zusammenhängt, entschieden zu leiden haben. Aber auch hier handelt es sich um ein Opfer, das zu fordern Regierung und Kriegsleitung berechtigt sind und das neben vielen anderen nur ein Glied in der Kette der mancherlei Härten bildet, die der Krieg für das ganze Volk mit sich bringt. Zum Vergleich sei nur erinnert an das völlige Darniederliegen der Schifffahrt, an das Ruhen so mancher industrieller Betriebe und kaufmännischer Geschäfte und an die Nöte der Landwirtschaft.

Der Ernst der Stunde fordert daher sowohl von dem deutschen Zeitungsleser die Einsicht, dass ein großes Gebiet von Nachrichten, und zwar gerade von solchen, die ihn zurzeit am meisten interessieren, im Interesse des Vaterlandes von der Veröffentlichung ausgeschlossen sein muss; fordert von ihm Geduld im Abwarten der amtlichen Veröffentlichungen, weitgehende Zurückhaltung allen Gerüchten und nicht verbürgten Nachrichten gegenüber; er fordert aber auch von der deutschen Presse die Einsicht, dass den Interessen des Ganzen am bestehen gedient wird, wenn schon vor dem Eingreifen er Zensur nach Möglichkeit alles viermieden wird, was der Kriegsleitung unerwünscht sein könnte.

Die Presse ist in mannigfacher Beziehung imstande, beruhigend und anleitend auf den Leserkreis einzuwirken. Hier bietet sich ihr eine solche Gelegenheit, durch weise Selbstbeschränkung, durch Vermeidung jeglicher Sensation und verständnisvolles Zusammenwirken mit den militärischen Zensursiellen, eine ruhige Auffassung der Lage, eine geduldige und nüchterne Betrachtung der ernsten Ereignisse zu verbreiten und damit dem Volksganzen wesentlich zu dienen.

Um es noch einmal zu sagen; Alle Sonderinteressen müssen in so ernster Zeit zurücktreten, sowohl die berechtigte Anteilnahme an den Geschicken von Heer und Flotte, die berechtigte Sorge um die Angehörigen im Felde wie auch die ebenso berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Presse. Dass die militärischen Stellen ihrerseits ernstlich und fortgesetzt bestrebt sind, diesen berechtigten Wünschen und Hoffnungen, soweit es sich irgend mit den Interessen der Kriegsführung vereinbaren lässt, gerecht zu werden, steht für uns außer allem Zweifel.