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Flucht des unbekannten Täters

Mordversuch in der Xantenerstraße

In Berlin-Wilmersdorf ist eine 67 Jahre alte Frau in ihrem Hausflur niedergeschossen worden. Dem unbekannten Täter gelang die Flucht. Die Hintergründe der Tat liegen völlig im Dunkeln.

Ein mysteriöser Mordversuch ist gestern Abend gegen 7 Uhr in dem Hause Xantener Straße 17 in Wilmersdorf, unweit des Kurfüstendammes, verübt worden. Um diese Stunde kehrte die dort wohnende 67 Jahre alte Rentiere Jenny Meyer, geborene Magnus, von einem Spaziergang, den die alte Dame allein unternommen hatte, zurück. Sie klingelte, wie gewohnt, an der Haustür nach dem Portier, betrat, nachdem die Tür automatisch geöffnet war, den Hausflur und wollte gerade nach ihrer in der ersten Etage liegenden Wohnung hinaufgehen, als ihr plötzlich ein großer, elegant gekleideter Herr entgegentrat und zunächst an ihr vorbeiging. Gleich darauf fiel ein Schuss und Frau Meyer schrie laut: „Ich bin geschossen!“

Wenige Minuten später kam der erschreckte Portier in den Hausflur geeilt und kam gerade noch zur rechten Zeit, um die verletzte Dame, die besinnungslos zusammenbrach, in seinen Armen aufzufangen. Inzwischen lief der fremde Herr, der zweifellos den Schuss abgegeben hat, durch die Haustür auf die Straße und rief dort einigen Passanten zu: „Schnell einen Arzt, hier ist eine Dame geschossen worden.“ Ehe man wusste, was vorgefallen war, hatte sich der Täter in der Richtung nach dem Olivaer Platz zu entfernt und war dann verschwunden.

Die unverheiratete Tochter der Frau Meyer war durch den lauten Schuss alarmiert worden und eilte mit einem Herrn, der bei ihr zu Besuch weilte der Mutter zu Hilfe. Ein Arzt stellte dann fest, dass Frau Meyer einen Schuss in den Rücken erhalten hat, der zwar eine erhebliche Verletzung herbeigeführt hat, aber, wie es scheint, weder das Herz noch die Lunge getroffen hat. Frau Meyer erlangte nach einigen Stunden das Bewusstsein wieder und erklärte dem Arzt, dass sie den Mann, der den Schuss auf sie abgab, bisher noch niemals gesehen habe und dass sie nicht wisse, warum der Überfall auf sie verübt worden sei. Auch die Tochter der Dame kann sich die Tat in keiner Weise erklären. Von einigen Passanten, die den Täter gesehen haben, wird dieser als großer, stattlicher Mann geschildert, der einen grauen Anzug an hatte und einen Strohhut und eine goldene Brille trug. Die Schöneberger Polizei hat noch gestern Abend die Verfolgung des unbekannten Täters in die Wege geleitet.