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Gerüchte um Vergeltung

Panik unter den Österreichern in Belgrad

Unter den Österreichern in Belgrad machten Gerüchte die Runde, dass Serben wegen mehrerer Verhaftungen in Bosnien und der Herzegowina auf Vergeltung aus seien.

Wien, 13. Juli

Die „Neue Freie Presse“ meldet aus Belgrad:
Gestern brach in der österreichisch-ungarischen Kolonie eine Panik aus. Es verbreitete sich das Gerücht, dass wegen der Verhaftungen unter der serbischen Bevölkerung Bosniens und der Herzegowina an den in Serbien lebenden Österreichern Vergeltung geübt werden solle. Es wurde behauptet, dass für die Verstimmung der serbischen Bevölkerung nichts zu bemerken war, wurde das Gerücht doch geglaubt.

Viele schickten ihre Familien nach Semlin, andere eilten auf die österreichisch-ungarische Gesandtschaft und auf das Konsulat. Die österreichisch-ungarische Gesandtschaft hat Informationen erhalten, dass von serbischer Seite eine gewaltsame Aktion gegen das Gesandtschaftsgebäude vorbereitet werde. Um allen Zwischenfällen vorzubeugen, verständigte der Gesandte den Ministerpräsidenten Paschitsch und lenkte seine Aufmerksamkeit darauf, dass die serbische Regierung die volle Verantwortung für etwaige Zwischenfälle zu tragen hätte. Paschitsch versprach, für die Sicherheit zu sorgen und beauftragte den Polizeipräsidenten, in allen zur Gesandtschaft führenden Straßen Polizei aufzustellen und starke Polizeimannschaften in der Nähe bereit zu halten. Die Nach ist indessen ruhig verlaufen.