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Neue Rolle der Kavallerie

Reiterdienst von heute

In der modernen Kriegsführung fällt den berittenen Einheiten eine ganz besondere Aufgabe zu. Denn kein Heer kann sich noch allein von dem versorgen, was es in der Umgebung an Nahrung vorfindet.

Die ersten Reiterkämpfe haben an der Ostgrenze stattgefunden, und so tritt für einige Zeit diese in der modernen Kriegsliteratur so vielumstrittene Masse in den Vordergrund. Was die Kavallerie in einem modernen Krieg zu vollbringen berufen ist, das können wir vorläufig nur ahnen, denn es fehlt in der ganzen Kriegsgeschichte bis 1870 völlig an Analogien, aus denen man praktisch verwertbare Schlüsse ziehen könnte. Ebenso zeigten die Kriege in Südafrika, in der Mandschurei und auf dem Balkan Verhältnisse, die mit einem europäischen Krieg, wie ihn die deutsche Kavallerie nun durchkämpfen und lehrreichsten für den Dienst moderner Kavallerie ist der amerikanische Sezessionskrieg gewesen.

Dem Millionenheer unsere Tage ist es unmöglich, von dem zu leben, was das Land aufbringt, in dem es sich befindet. So sind denn die Armeen in weit höherem Maße als je zuvor auf den Nachschub angewiesen. Blieben früher einmal die Brotwagen aus, so konnte man sich zur Not an das Land halten. Die Kavallerie war überhaupt fast ganz auf Fouragierungen angewiesen. Heute ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Mannschaften sich ernähren können, wenn der Nachschub ausbleibt, und für die Reiterei ist es ganz unmöglich, die nötigen Futtermittel für ihre Pferde im Lande selbst zu finden. Ebenso liegen die Dinge in Bezug auf die Munition. Die ungeheuren Massen von Artillerie, die die modernen Heere mit sich führen, sind auf einen Massenverbrauch von Munition eingerichtet, und auch die moderne Infanterie muss mit einem außerordentlich hohen Verbrauch von Patronen rechnen. So muss also jedes moderne Heer auf’s eifrigste bestrebt sein, mit dem Hinterland in engster Verbindung zu stehen. Eisenbahnen werden hinter den Armeen gebaut, um ihnen den Bedarf an Nahrung und Munition zu schaffen; lange Automobil- und Wagenkolonnen pendeln zwischen der Front und den Magazinen hin und her, die an allen Hauptstraßen und Bahnhöfen angelegt werden. die Aufgabe der Kavallerie besteht nun darin, diese Verbindungen des feindlichen Heeres zu stören und zu zerstören, den Gegner auf alle Weise daran zu verhindern, dass er seine Nachschübe ordentlich erhält. Jede strategische Operation muss stocken und versagen, sobald dieser Organismus, der die Lebenskraft der Armee verbürgt, nicht einwandfrei funktioniert. Solche Streifzüge dürften also zu den Hauptaufgaben des Reiterdienstes gehören.