Politik > International >

Bosnien und Herzegowina

Schärferer Kurs in Bosnien

Die Untersuchung des Attentats auf das Thronfolgerpaar hat ergeben, dass in Bosnien und Herzegowina viele der Idee eines Groß-Serbiens anhängen. Daher plant Österreich, im Land wieder stärkere Kontrolle auszuüben.

Wien. 8. Juli

Im gestrigen Ministerrat wurden der „Militärischen Rundschau“ zufolge nicht nur Maßregeln zur Unterdrückung der großserbischen Agitation in Bosnien und der Herzegowina, sondern auch Maßnahmen gegen die staatsfeindlichen Propaganda in rumänischen und ruthenischen Gebieten beschlossen. Zu diesem Zweck wird die Staatspolizei bedeutend vermehrt werden. Das Schulwesen wird strenger überwacht und dem Verkehre der Vereine und einzelner Personen mit ausländischen Stellen erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden.

Das Ergebnis der Untersuchung von Sarajevo ist dem genannten Blatte zufolge für die bosnische Regierung geradezu vernichtend. Es wurde festgestellt, dass Beamte des Landes, der Eisenbahnen, Lehrer und Geistliche ganz im Bann der großserbischen Idee  stehen und in diesem Sinne heftig agierten. Sollten zur Unterdrückung dieser Agitation normale Mittel nicht ausreichen, so würden Bosnien und die Herzegowina wieder vollständig unter militärische Verwaltung gestellt werden. Es ist zunächst die Verstaatlichung aller Mittelschulen in Bosnien und der Herzegowina sowie Uniformierung und strengere Beaufsichtigung der Mittelschüler geplant. Es besteht auch der Verdacht, dass neben der mit politischen Morden arbeitenden Verschwörung eine andere läuft, die sich im gegebenen Falle die Verhinderung, respektive Erschwerung, militärischer Operationen zur Aufgabe gestellt hat. Der mögliche Zusammenhang dieses Teiles der großserbischen Propaganda mit serbischen Militärkreisen wird von nun den Gegenstand erhöhter Aufmerksamkeit bilden. Insbesondere Graf Tisza soll Maßregeln gegen die Beeinflussung ungarischer Staatsbürger serbischer, ruthenischer un rumänischer Nationalität von Seiten nationaler Agitatoren aus Serbien, Russland und Rumänien ls unerlässlich und unaufschiebbar bezeichnet haben. Auch die Verhältnisse in Galizien kamen zur Sprache und wurden sehr ernst beurteilt.

Belgrad, 8. Juli.

Infolge des Attentates von Sarajevo will die serbische Regierung jetzt angeblich durch neue gesetzliche Bestimmungen den Verschleiß von Waffen und Explosivstoffen auf das äußerste beschränken und die nationalistischen Vereinigungen einer strengeren Kontrolle unterwerfen. Auch die Schulen  sollen schärfer beaufsichtigt werden.