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Berlin

Selbstmordversuche infolge Felddienstuntauglichkeit

Weil sie nicht eingezogen wurden, haben zwei Berliner versucht, sich das Leben zu nehmen. Beide werden ihre schweren Verletzungen wohl nicht überleben.

Die Verzweifelung über ihre Nichtverwendbarkeit im Felde hat gestern nachmittag zwei Personen zum Selbstmordversuch getrieben. Vor dem Gebäude des Bezirkskommandos in Schöneberg schoß sich ein Oberleutnant der Artillerie eine Revolverkugel in die Brust und brach schwerverletzt zusammen. Er wurde in das Garnisonslazarett gebracht, dürfte aber kaum mit dem Leben davonkommen. Der Offizier war vor längerer Zeit erkrankt und sollte deshalb nicht mit ins Felde rücken. Er richtete mehrfache Gesuche an die vorgesetzte Behörde, erhielt aber einen abschlägigen Bescheid. Gestern unternahm er noch einen letzten Versuch beim Bezirkskommando. Er hatte aber wieder keinen Erfolg, und aus Verzweifelung darüber wollte er seinem Leben ein Ziel setzen.

Der zweite Fall ereignete sich fast gleichzeitig auf dem Stadtbahnhof Börse. Dort warf sich ein älterer Herr vor die Maschine eines vom Bahnhof Alexanderplatz kommenden Stadtbahnzuges. Obgleich der Lokomotivführer sofort bremste und den Zug nach wenigen Metern zum Stehen brachte, war der Mann schon unter die Räder der Lokomotive gekommen. Es wurden ihm beide Beine abgefahren. In hoffnungslosem Zustand brachte man den Schwerverletzten in das St. Hedwigs-Krankenhaus. Wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben, ist der Lebensmüde der Sekretär und Registrator Klincke von der Nationalgalerie. Er ist Oberleutnant der Reserve und hat den Selbstmordversuch begangen, weil er keine Verwendung in der Armee gefunden hatte.