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Sarajewo

Serbenfeindliche Demonstrationen

Infolge des Attentats gegen das österreichischen Thronfolgerpaares entlädt sich auch die Wut von Kroaten und Muslime gegen die Serben.

Sarajewo, 30. Juni

Wie aus Mostar gemeldet wird, veranstalteten dort Kroaten und Muselmanen eine Kundgebung, bei der sie Rufe gegen Serbien ausstießen. Schwere Ausschreitungen ereigneten sich nicht; nur einige Fensterscheiben wurden zertrümmert. Militär stellte die Ordnung wieder her. Auch in einigen anderen Orten fanden antiserbische Kundgebungen statt, doch kam es nirgends zu ernsteren Ausschreitungen.
In Trabnik fanden gestern patriotische Kundgebungen der katholischen moslemitischen Bevölkerung statt, an die sich eine serbenfeindliche Demonstration schloss. Als die Demonstranten in der serbischen Schule die Fenster einwarfen, feuerte ein Pope aus der Schule und verwundete eine auf der Straße stehende Person. Der Pope wurde verhaftet, da die Menge ihn lynchen wollte.

Verhaftungen
Sarajewo, 30. Juni

Der Präsident der serbisch-radikalen oppositionellen Rarodgruppe Athanasic Sola wurde verhaftet, weil er aufreizende Reden an die Bevölkerung hielt, ebenso der Chefredakteur Radulovic des serbisch-radikalen Blattes „Rarod“ wegen des Verbrechens der Aufreizung der Bevölkerung, sowie ebenso der Führer des gesamten serbischen politischen Lebens in Bosnien, Landtagsmitglied Jefanovic.
Das Bestehen einer Verschwörung zur Ermordung des Thronfolgers ist durch das Geständnis der beiden Verbrecher vollkommen erwiesen. Es steht fest, dass sich unter der Menge noch Genossen der Verbrecher befanden, die ebenfalls mit Bomben und Revolvern ausgerüstet waren. Die von den Tätern verwendeten Bomben seien sogenannte serbische Militärbomben gewesen.