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Demonstranten fordern Krieg

Serbenfeindliche Kundgebungen in Wien

Eine serbische Trikolore vor der serbischen Gesandtschaft verbrannt - „Krieg mit Serbien!“

Wien, 30. Juni

Heute Abend gegen 9 Uhr fanden vor dem Haus der serbischen Gesandtschaft in der Weidenauer Gasse Demonstrationen deutschnationaler und katholischer Studenten gegen Serbien statt. Das Haus wurde schon seit zwei Tagen von Polizisten bewacht, da Kundgebungen erwartet wurden. Die Studenten betraten in kleinen Gruppen die Straße und sammelten sich vor der Gesandtschaft, wo sie ihre Stöcke schwangen und in die Rufe „Nieder mit Serbien! Tod den Mördern! Nach Habsburg! Hoch Österreich!“ ausbrachen. Darauf wurde die Volkshymne angestimmt. Als einer der Studenten die serbische Trikolore entfaltete und sie in Brand steckte, schritten die Wachmannschaften ein und vertrieben die Demonstranten. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen. Unter Absingung des Prinz-Eugen-Liedes zogen die Studenten dann zum Schwarzenberg-Denkmal, wo einer von ihnen eine Rede hielt, die in die Worte ausklang: „Rache für die Ermordung des Thronfolgers! Krieg mit Serbien!“.

Belgrad, 30. Juni
Der Skupfschtinapräsident kondolierte den Präsidenten der Parlamente in Wien und Budapest und Minister Gjuritsch und Sektionschef Gruitsch drückten persönlich dem hiesigen österreichisch-ungarischen Geschäftsträger ihr Beileid aus. Die hiesige Presse alter Schattierungen legt Verwahrung dagegen ein, dass die serbische Nationalität als solche verantwortlich gemacht werde für das Verbrechen zweier Serben und dass auf das Königreich serbien die Mitschuld gewälzt werde, weil die Täter sich in Belgrad aufgehalten haben.