Politik > International >

Wegen Ausschreitungen

Standrecht in ganz Bosnien und Herzegowina

In Bosnien und Herzegowina ist es wiederholt zu serbenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Um der Lage Herr zu werden, wurde über beide Regionen das Standrecht verhängt.

Budapest, 1. Juli.

Infolge der großen Ausschreitungen, die sich trotz des polizeilichen und militärischen Einschreitens in allen Städten Bosniens und der Herzegowina wiederholten, wurde heute das Standrecht über ganz Bosnien und die Herzegowina verhängt. Keine einzige Stadt Bosniens mit Ausnahme von Banja Luka, wo alle Nationalitäten und Konfessionen sich an einer großen Trauerkundgebung beteiligten, blieb von Demonstrationen und Ausschreitungen gegen die Serben verschont. Besonders stürmisch gestalteten sich noch heute die Demonstrationen in Tuzla. Dort wurde die Polizei von der Einwohnerschaft verhindert, gegen die Demonstranten, die die Serben angriffen, vorzugehen. Im Laufe der letzten Nacht nahmen die Demonstrationen in Tuzla bedrohliche Formen an. Die Fenster des Grand Hotel und serbische Privathäuser wurden zertrümmert. Die Kapelle am serbischen Friedhof und die serbischen Grabsteine wurden demoliert. Heute Vormittag wurde dann über Stadt und Landbezirk Tuzla das Standrecht verhängt. Große Demonstrationen fanden auch in Komjie statt. Dort zog die katholische und mohammedanische Geistlichkeit unter Vorantragen von Trauerfahnen durch die Stadt. Der Redakteur des „Srbfteo Rietsch“ wurde heute von drei Detektivs aus seiner Wohnung zur Polizei gebracht. Dort wurde ihm eröffnet, dass er sofort Sarajewo verlassen müsste. Er musste noch mit dem Abendzuge abreisen.