Sport > Pferderennen >

Trabrennen in Petersburg.

# Petersburg, im Juni.
Eine Woche vor Ostern schloss der hiesige Trabrennverein seine „Wintersaison“ von sechzig Renntagen, um zwei Tage nach dem Fest mit seinem „Frühjahrsmeeting“ neu einzusetzen, dass bis Ende Mai dauerte.

Während der Wintersaison ließen nach Ausweis des Trabrennvereins 327 Besitzer ihre Pferde laufen. An Preisen kamen 2 475 000 Mark zur Verteilung. Am erfolgreichsten war der Stall des Herrn R. W. Telegin, der mit einer Gewinnsumme von 142 000 Mark an erste Stelle steht, während der 327. in der Liste 130 Mark figurierte. Mehr als 20 000 Mark heimsten 29 Besitzer ein; mehr als 10 000 Mark gewannen noch 66 Besitzer.
Die Trabrennen finden meistens am Sonntag, Dienstag, Donnerstag statt; sie beginnen um 1 oder 2 Uhr, und, da an jedem Renntage 16 bis 20 Rennen zum Austrag kommen, enden sie gewöhnlich erst gegen 8 Uhr abends. Bei eintretender Dunkelheit wird die ganze Bahn durch 145 gewaltige Bogenlampen tageshell erleuchtet, so dass die Rennen auch dann genau verfolgt werden können. Wie gut die einzelnen Rennen besetzt sind, kann man aus dem Programm eines – willkürlich gewählten – Renntages ersehen. Zum Austrag kamen 20 Rennen, für die in Summa 40 000 Mark an Preisen ausgesetzt waren; gemeldet waren 150 Traber, von denen 3 zurückgezogen wurden, so dass 147 Pferde starteten, also durchschnittlich über 7 Pferde pro Rennen. Der Totalisatorumfaß betrug rund 1 100 000 Mark; dieser Betrag ist nicht etwa außergewöhnlich hoch, sondern wird fast an jedem Wochenrenntag erreicht. Von den Totalisatoreinsätzen werden nur 10 Prozent in Abzug gebracht, ein für die Wettenden weit günstigeres Verhältnis als in Deutschland. Bequem für das Publikum ist die Lage des Rennplatzes, der vom Zentrum der Stadt in zirka 15 Minuten per Straßenbahn oder Droschke zu erreichen ist. Auch sonst gibt sich der Trabrennverein alle erdenkliche Mühe, dem Publikum das Beste zu bieten. Die Einrichtungen des Totalisators, die Aufenthalts- und Reastaurationsräume und vor allen Dingen die Platzanlagen sind musterhaft. Ein jeder Besucher, ob er 1, 2 oder 3 Rubel für den Eintritt bezahlt hat, findet unbedingt einen Platz, von wo er das Rennen genau verfolgen kann; selbst bei Schneetreiben oder Regen hat jeder seinen geschützten Platz.
Die oval angelegte Bahn hat eine Länge von 1 Werst (=1067 Meter); die gebräuchlichen Distanzen sind 1 ½ und 3 Werst, gefahren wird auch im Winter im Sulky. Sämtliche Pferde werden in „Gruppen“ geteilt. Wenn ein Pferd der ersten Gruppe eine vom Verein festgelegte Summe an Preisen gewonnen hat, dann geht es in die zehnte Gruppe über und so weiter. Bei einem Rennen einer Gruppe gehen sämtliche Pferde vom gleichen Start ab; dafür wir bei starker Beteiligung ein Rennen in zwei oder mehr Abteilungen ausgefahren. Bei großen „klassischen“ Rennen läuft jedes Pferd einzeln „auf Zeit“. Diese Zeit wird dadurch festgestellt, dass das Pferd beim Start einen dünnen Faden zerreißt, der eine Uhr in Bewegung setzt und beim Ziel wiederum durch das Zerreißen eines Bandes diese Uhr zum Stehen bringt, die nun auf eine Zehntelsekunde die Zeit des Pferdes anzeigt; Irrtümer sind auf diese Weise ausgeschlossen.
Angesichts der großen Erfolge und der Beliebtheit des Trabersports in Russland muss sich einem jeden Unparteiischen die Frage aufdrängen „Warum werden nicht auch in Deutschland die Traberprüfungen im Herbst, Winter und Frühling abgehalten, wenn der Galoppsport ruft?“