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Berlin

Unglücksfälle

In Berlin haben sich mehrere Unglücke und Unfälle ereignet. Am tragischsten sind dabei wohl die Selbstmorde eines Greises und einer Witwe.

Konfektionsmarder

Eine zehnköpfige Einbrecherbande wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Seit dem Frühjahr dieses Jahres wurden die Konfektionsschneider, die für große Geschäfte arbeiten, arg heimgesucht. Während sie abwesend waren, drangen Einbrecher in ihre unbeaufsichtigten Wohn- und Arbeitsräume ein und stahlen fertige Herren- und Damensachen und auch Stoffe aller Art. Der Verdacht der Kriminalpolizei lenkte sich auf Männer, die im Konfektionsviertel wiederholt beim Abtragen halfen. Die Verdächtigen standen mit einem Mann aus der Gitschiner Straße in Verbindung. Dieser Mann hatte jederzeit Abnehmer für Konfektionssachen.

Er unterhält ein Quartier, das die Kriminalpolizei schon öfter beschäftigt hat und sandte nun seine Quartiergäste auf den Einbruch aus. Die Spitzbuben trafen sich in Schankwirtschaften in der Gitschiner und Alten Jakobstraße, suchten von dort aus Lokale des Konfektionsviertels auf und kundschafteten so die Gepflogenheiten der Schneider aus, um bei Gelegenheit bei ihnen einzubrechen. Die Kriminalpolizei ermittelte in den letzten Tagen zehn Täter und nahm gestern auch den letzten fest.

Von der Heugabel durchbohrt

Ein grässlicher Unglücksfall ereignete sich Sonntagabend in der sechsten Stunde in Charlottenburg im Hause Bismarckstraße 28. Dort war der 22jährige Stallschweizer Bernhard Präster mit dem Abladen von Heu beschäftigt. Auf unerklärliche Weise fiel er von dem Wagen herab und auf eine Heugabel, auf der er förmlich aufgespießt wurde. Auf dem Wege nach dem Krankenhause erlag der Bedauernswerte bereits seinen schweren Verletzungen.

Verbrüht

Einen qualvollen Tod hat die 52 Jahre alte Witwe Minna Ulrich aus der Graf-Roedern-Allee 9 in Reinickendorf gefunden. Beim Kaffeekochen wollte Frau U. einen mit kochendem Wasser gefüllten Kessel vom Herd herunter heben. Der Henkel entglitt ihren Händen und der Kessel stürzte hernieder. Die ganze kochende Flüssigkeit ergoss sich über den Körper der Unglücklichen, die vollständig verbrüht wurde. Bald nach der Einlieferung erlag die Witwe unter qualvollen Schmerzen den Brandverletzungen.

Die Kindesleiche im Müllhaufen

Ein Kindesmord ist am Sonnabend in Neukölln entdeckt worden. Auf dem Grundstück Laubestraße 8 fanden Kinder beim Spielen in einem Müllhaufen ein Paket, das die Leiche eines neugeborenen Knaben enthielt. Am Hals der Leiche waren deutliche Spuren äußerer Eindrücke sichtbar, ein Zeichen dafür, dass das Kind erwürgt worden ist. Der Leichnam wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht.

Unglücksfall eines unbekannten Knaben

Von einer Kraftdroschke überfahren und getötet wurde am Sonntag an der Oberbaumbrücke ein unbekannter, etwa 6 bis 7 Jahre alter Knabe. Der verunglückte Junge befand sich in Begleitung eines etwa vierjährigen Knaben, der auch keine näheren Angaben machen kann. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht, der Vierjährige in Schutzhaft genommen. Das tote Kind trug einen blauen Sweater, eine blau-weiß karierte Achselschürze und dunkelbraune Sandalen.

Selbstmorde im Greisanalter

An der Schwelle des Grabes haben ein Greis und eine Greisin Selbstmord verübt. In der Langestraße 17 sprang Sonnabend Abend der 90 Jahre alte Almosenempfänger Friedrich Böttger in seinem Anfalle geistiger Umnachtung aus dem Flurfenster im dritten Stockwerk auf den Hof, wo er tot liegen blieb. – In der Linienstraße wurde Sonntagvormittag die 70 Jahre alte Witwe Luise R. in ihrer Schlafstube tot aufgefunden. Sie hatte sich aus Gram über den vor einem Jahr erfolgten Tod ihres Mannes, der Postassistent war, am Bettpfosten erhängt.

Unglücksfälle oder Selbstmorde

Die Leiche eines jungen Mannes wurde gestern beim Baumschulenweg aus der Spree gelandet. Der Tote ist etwa 20 bis 25 Jahre alt und 1,65 bis 1,70 Meter groß, hat blondes Haar, einen Anflug von Schnurrbart und ist besonders durch seine Tätowierung erkenntlich. Auf beiden Unterarmen hat er ein Rad tätowiert. – Vor dem Grundstück der Mühlenstraße wurde gestern die Leiche des Bootsmannes Otto Holzendorf gelandet. Ertrunken ist ferner der 17jährige Schiffsjunge Richard Kleber. Am Sonnabendabend hatte Kleber einen Rummelplatz aufgesucht und auch mehrere Lokale. Gegen neun Uhr fand der Schiffseigner seine Leiche unweit des Kahnes im Luisenstädtischen Kanal.