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Urlaub mit Kindern

Unsere Kinder auf Ferienreisen

Besonders auf Urlaubsreisen zeigt sich, welche Ansprüche manche Kinder so haben. Wir neigen dazu, unsere Kinder in den Ferien besonders zu verwöhnen.

„Wohnt ihr auch in einem erstklassigen Hotel?“ – mit diesen Worten begrüßte uns der elfjährige Karl, als er von Grindelwald für einige Tage zu uns nach Wengen auf Besuch kam. „Junge, es wird auch für dich gut genug sein“, war meine Antwort und seine Eltern lächelten. Sie fanden die Frage ihres Sohnes gar nicht unnatürlich.

Im bayerischen Gebirge saßen wir mit der Familie eines reich gewordenen Selfmademan an der Tafel, beide Eltern nette, einfache Leute. Ihr elfjähriger Sohn nörgelte täglich an der Speisekarte mit Ausdrücken, die eines Feinschmeckers würdig waren. „Schwarzes Fleisch gibt man doch nicht zum Abendessen! Am Liebsten ist mir eine Forelle. Wie kann man im Sommer getrocknetes Obst zum Kompott geben?“. Und wieder lächelten die Eltern über den sachkundigen Sohn. Der Junge war sonst ein lieber, kluger Bursche, ich hatte ihn gern. Jedoch durch sein fortwährendes Nörgeln in dieser Art wurde er mir verleidet. Als ich die Mutter darauf aufmerksam machte, wie bald da ihr Sohn blasiert sein würde, war ihre Antwort: „Warum soll es mein Sohn denn nicht auf der Reise gut haben? Zu Hause, wenn er die Ausflüge mit seinem Wehrkraftverein macht, dann ist er wieder mit der einfachsten Mahlzeit zufrieden“. Finden Sie nicht das Zwiespältige einer solchen Erziehung heraus? Auf der einen Seite Sport und Abhärtung, auf der anderen Seite, verzeihen Sie meine Aufrichtigkeit, eine falsche Sentimentalität, die de Kindern Genüsse und Vergnügen gestattet, welche ihre sittliche Stärke schwächen muss – ob diese Worte einen Eindruck auf die Mutter machten? Ich glaube nicht. „Die Kinder könnte man schon erziehen, aber die Eltern nicht“, sagte einst ein bekannter holländischer Arzt eines Weltseebades. „Wie oft werde ich nachts zu Kindern, die plötzlich erkrankten, geholt. In der Heimat werden sie ängstlich gehütet. An der See planschen die Kinder bei jeder Gelegenheit mit nackten Füßen im Wasser herum. Der Kopf wird durch die Sonne heiß; trotzdem sind die Füße oft kalt. Erhitzt essen sie dann an der Tafel Gefrorenes und erkälten sich auf diese Weise. So oft ich auch die Eltern warne, es ist umsonst, sie können ihren Lieblingen nichts abschlagen.“.

Möchten doch einmal die Eltern nicht so töricht sein und ihre Erziehungsgrundsätze auf der Reise über den Haufen werfen. In vielen Beziehungen kann man schon das Leben auf der Reise dem häuslichen Leben daheim anpassen. Kinder gehören nicht an die Table d‘hore, lieber soll auch die Familie darauf verzichten. Dadurch, dass jetzt in vielen Hotels das Speisen an einzelnen Tischen eingeführt ist, ist die Maßregel, Kinder nicht an allen Gängen teilnehmen zu lassen, leicht durchzuführen.

Auch Professor Paulsen schreibt im Zeitalter des Sports: „Die Erziehung der Gegenwart zeigt eine Tendenz zur Schwäche und Verweichlichung“.