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Kriegsgericht verhängt milde Strafe

Empörende Menschenschinderei

Weil er einen Soldaten schlug und trat, ist ein Unteroffizier zu sechs Wochen Arrest verurteilt worden. Dabei entkam er glücklich einer höheren Strafe.

Mit sechs Wochen Arrest und Degradation wurde ein Unteroffizier eines Straßburger Infanterie-Regiments vom dortigen Kriegsgericht wegen Soldatenmisshandlung bestraft. Auf dem Wege vom Schießplatz zur Kaserne blieb ein Soldat, der mit noch einem anderen Soldaten den schweren Patronenkasten zu tragen hatte, zurück. Da der erstere Soldat noch nicht ganz ausgeheilte Wunden an den Füßen hatte, konnte er nicht schnell genug gehen.

Das passte dem Unteroffizier Düvernell nicht und durch Tritte auf die verletzten Füße und Faustschläge auf den Rücken des armen Musketiers versuchte er, das Tempo zu beschleunigen. Der an sich schon durch seine wiederaufgebrochenen Wunden ermattete Soldat bekam dann noch vom Unteroffizier den Patronenkasten auf seinen Tornister mit Sandsäcken aufgeschnallt und musste mit dieser Last Laufschritt machen.

Nach einigen Schritten brach er bewusstlos zusammen. Als der Ärmste dann auf dem Boden lag, wurde er von dem Unteroffizier noch mit Fußtritten misshandelt. Einige Bauersleute erquickten den erschöpften Soldaten, sodass er nach einiger Zeit den Heimweg antreten konnte.

Kaum war aber der Unteroffizier mit dem Soldaten aus dem Gesichtsfeld der Bauern, fingen die Misshandlungen von neuem an. Das Kriegsgericht verurteilte den Soldatenschinder zu obiger Strafe. Die vom Verurteilten eingelegte Berufung wurde vom Oberkriegsgericht verworfen. Das Oberkriegsgericht bedauerte selber, dass der Gerichtsherr keine Berufung eingelegt habe, sonst hätte es eine höhere Strafe verhängt.