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Kaisermanöver 1914

Verpflegung der Truppen im Kaisermanöver 1914

Die Verpflegung der Soldaten während der Kaisermanöver 1914 stellt für die Heeresleitung ein Problem dar. Doch genau dadurch könnten die Manöver besonders realistisch die Situation im Kriegsfall darstellen.

Wir nahmen bereits Gelegenheit, auf die Schwierigkeiten hinzuweisen, die durch die Vereinigung großer Truppenmassen im diesjährigen Kaisermanöver für die Verpflegung entstehen. Von geschätzter Seite wird uns nun aus gleichem Anlass geschrieben:

Gerade durch die Verpflegungsschwierigkeiten wird das Kaisermanöver in diesem Jahre zu einer außerordentlich lehrreichen Übung unter Verhältnissen, die denen des Kriegs nahekommen. Zum Studium der Heeresverpflegung werden zwar alljährlich Planaufgaben in größerer Zahl bearbeitet und Verwaltungs-Generalstabsreisen unternommen, sie werden aber in ihrer Bedeutung durch die bevorstehende praktische Übung erheblich übertroffen. Auf eine völlig kriegsmäßig durchgeführte Verpflegung muss allerdings auch in diesem Kaisermanöver verzichtet werden. Die Aufstellung sämtlicher Kriegsverpflegungskolonnen würde ungeheure Kosten verursachen und der Bevölkerung der betreffenden Gebiete zu viele Fahrzeuge entziehen. Aus diesem Grunde muss auch die Aufstellung der Etappen-Verpflegungskolonnen unterbleiben. An sich wäre ein Manöver mit Aufstellung aller Verpflegungs- und Munitionskolonnen sehr erwünscht, die Ausführung wird aber wohl immer an den Kosten und an der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit scheitern.

Im bevorstehenden Kaisermanöver werden immerhin, wie schon erwähnt, für die Verpflegung Verhältnisse geschaffen, die denen des Krieges möglichst nahe kommen. Die Verpflegung wird sich wie folgt gestalten:
Die Fußtruppen entnehmen ihren Bedarf den unmittelbar bei ihnen befindlichen Feldküchen. Diese ergänzen sich aus den Lebensmittelwagen, welche sich bei der großen Bagage befinden. Die berittenen Truppen, die nicht über Feldküchen verfügen, verpflegen sich unmittelbar aus den Lebensmittel- und Futterwagen. Die Wiederfüllung dieser geschieht aus den Kolonnen, welche den Armeekorps oder Divisionen mit kriegsmäßigen Abständen folgen. Auch von freihändigem Ankauf der Verpflegungsvorräte zur Wiederfüllung der Lebensmittel- und Futterwagen wird weitergehender Gebrauch gemacht werden, wie es auch im Kriege, soweit es die im Lande vorgefundenen Vorräte erlauben, der Fall sein wird. Die Verpflegungskolonnen ergänzen ihren Bestand aus Verpflegungszügen der Eisenbahn, die von der Intendantur nach Bedarf vorgezogen werden.

In diesem Rahmen finden die Verpflegungsoffiziere bei den Truppen und im Rücken der Truppen die Intendantur, durch den sich entwickelnden Pendelverkehr der Verpflegungskolonnen und Fahrzeuge sowie den freihändigen Ankauf von Lebensmitteln und Futter, reichlich Gelegenheit, für ihre Aufgaben im Kriege zu lernen. Es erhellt hieraus aber auch die dringende Notwendigkeit, auf den Straßen des gesamten Manövergeländes, auch im Rücken der Armeen, strenge Ordnung zu halten und die Manöverleitung in der Durchführung ihrer Absichten zu unterstützen.

Die den Armeen vorausgehende Heereskavallerie kauft ihren Haferbedarf im Allgemeinen freihändig auf, für den Notfall werden ihr Lastkraftwagenkolonnen für den Haferersatz zur Verfügung stehen, während sämtliche Truppen, wie im Kriege, für den Notfall eiserne Portionen mit sich führen.