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110 Kilometer Geschwindigkeit

Versuchsfahrten mit neuen Riesenlokomotiven

Sie haben vierzehn Räder und gleich mehrere technische Neuheiten an Bord: Die neuen Lokomotiven der preußisch-hessischen Staatsbahn. Bei Tests zwischen Glaugau und dem Riesengebirge beeindruckten sie Laien wie Fachleute.

Auf der neuen Vollbahnstrecke von Liegnitz nach dem Riesengebirge werden zurzeit im Schnellzugverkehr Versuche mit neuen Riesenlokomotiven angestellt, die durch ihre gewaltigen Abmessungen in Fach- und Laienkreisen Aufsehen erregen. Sie stellen einen ganz neuen Typ dar und laufen auf vierzehn Rädern von denen acht in zwei amerikanischen Drehgestellen vereinigt sind. Der in dem gewaltigen Kessel erzeugte Dampf wird, ehe er als Triebkraft in Funktion tritt, in einem besonderen komplizierten Apparat, dem Schmidtschen Rauchröhren-Überhitzer auf ungefähr 350 Grad überhitzt.

Die neuen Lokomotiven haben keinen besonderen Tenderwagen, obwohl sie einen Wasservorrat von 12 Kubikmetern und 80 Zentner Kohlen mitführen. Die Lokomotiven, die eine Geschwindigkeit von 110 Kilometern in der Stunde oder 1833 Metern in der Minute entwickeln, sind dazu bestimmt, schwere Schnell- und Personenzüge von 300 bis 400 Tonnen Gewicht in schwierigen Gelände auf kurzen Strecken zu befördern, und fahren gegenwärtig den Schnellzug, der von Glogau aus den Verkehr mit dem Riesengebirge herstellt. Erwähnt sei noch, dass diese neuesten Vertreter des Lokomotivparkes mit drei Neuerungen ausgestattet sind, der neuesten Knorrschen Luftdruckbremse, einer Zusatzschnellbremse und ein Geschwindigkeitsmesser (Tachometer), von dem der Führer die jeweilige Geschwindigkeit ablesen kann. Die Riesenlokomotiven, die zurzeit die größten der preußisch-hessischen Staatsbahn sind, wurden nach den Angaben des Eisenbahnzentralamtes von der Vulkanwerft in Stettin für die Eisenbahndirektion Saarbrücken erbaut und zu Versuchszwecken der Betriebswerkstatt Liegnitz überwiesen.