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Gewitter und Starkregen

Wettersturz in Berlin

In Berlin haben Gewitter und Starkregen die Hitzewelle unterbrochen. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz. Zahlreiche vollgelaufene Keller mussten leergepumpt werden.

Ein Wettersturz, der in Berlin in den gestrigen Nachmittagsstunden einen wolkenbruchartigen Regen verursachte, hat anscheinend in verschiedenen Gebieten Deutschlands und Mitteleuropas Unwetter gebracht und Hochwasser und Wolkenbrüche im Gefolge gehabt. In Berlin setzte schon gegen 3 Uhr ein heftiger Gewitterregen ein, der mit kleinen Unterbrechungen bis gegen 5 Uhr währte.

Im Zentrum und besonders im Norden Berlins fanden erhebliche Verkehrsstockungen statt. So waren während der Zeit von 5 Uhr 15 Minuten bis 6 Uhr 20 Minuten die nach Norden führenden Gleise der Straßenbahn unpassierbar. Es mussten während dieser Zeit die Wagen der Linien 50, 51, 57 und W in der Pappelallee umgelegt werden; die Wagen der Linien 45, 46, 47, 48 und 49 verkehrten nur bis zur Umfahrungsweiche in der Danziger Straße und legten dort um. Kur nach ¼ 7 Uhr abends konnte der Betrieb wieder in vollem Umfange aufgenommen werden.

Das wolkenbruchartige Gewitter stellte naturgemäß auch an die Feuerwehr hohe Anforderungen. Zeitweise waren fast sämtliche Löschzüge ausgerückt oder standen unter Alarm. Nach einer Verordnung, die seit einigen Jahren besteht, werden bei starken Gewittern alle verfügbaren Löschzüge zur sofortigen Hilfe bereitgehalten. Sie rücken auf Alarmierung auch sofort aus, treten aber nur dann in Aktion, wenn besondere Gefahr vorliegt. Gestern Nachmittag in der fünften und sechsten Nachmittagsstunde wurde die Feuerwehr fast ununterbrochen alarmiert und nach fast dreißig verschiedenen Stellen gerufen.

In den meisten Fällen handelt es sich um oft gefährliche Überschwemmungen von Kellern. So in den Häusern Blumenstraße 7, Holzmarktstraße 19, Michaelkirchplatz 3, Kottbuser Platz, Madalstraße 13, Greifswalder Straße 1, Königsstraße 40, Büschingplatz, Prinzenstraße 102, Straußbergerplatz 6, Neue Friedrichstraße 70, Alexanderplatz, Große Frankfurter Straße 70. In der Alexandrinenstraße 45 hatte ein Blitz eingeschlagen, der das ganze Haus erschütterte, ohne glücklicherweise zu zünden. In der Krautstraße 36 war Kurzschluss in der elektrischen Leitung entstanden, weshalb eine Alarmierung erfolgte. In der Kleinen Stralauer Straße 9 waren große Wassermengen in eine Kellerwohnung eingedrungen, so dass die Feuerwehr das Wasser auspumpte. Am Schlesischen Bahnhof 2 hatte der Gewitterregen einen Wasserrohrbruch herbeigeführt. So herrschte auf den Wachen Groß-Berlins eine ununterbrochene Tätigkeit, die erst in den Abendstunden nachließ.

Wie das Wetterbüro mitteilte, handelte es sich um zwei Gewitterzüge, die sich von Süden kommend, nach der Unterelbe und nach Pommern langsam nordwärts fortsetzten. Die Gewitter waren sowohl nachmittags als auch abends zwischen Elbe und Oder weit verbreitet und hatten auch an anderen Orten stellenweise – wie in Berlin – recht erhebliche Regenfälle im Gefolge, denen eine schon vorgestern in Westdeutschland recht bemerkbare Abkühlung folgte. Die Temperatur ist stark zurückgegangen. Es zählte gestern westlich der Elbe 13 Grad Celsius. Auch in Berlin trat starke Abkühlung ein. Während mittags das Thermometer noch 26,7 Grad Celsius zeigte, wurden um 9 Uhr abends nur noch 15 Grad gemessen. Die überschreitet wohl das Temperaturmittel noch um 1 Grad, bedeutet aber gegenüber den vergangenen heißen Tagen eine empfindliche Abkühlung. Im Gegensatz hierzu ist es in Ostdeutschland noch sehr warm. Es wurden gestern Nachmittag noch in Memel 28 Grad, in Breslau noch 27 Grad gemessen. Die Regenfälle haben in Westdeutschland noch angehalten, werden aber nach der allgemeinen Wetterlage voraussichtlich dort bald abnehmen, wenn auch die Abkühlung noch weiter zunehmen wird und sich auch nach Ostdeutschland erstrecken wird. Diese augenblicklich wohl allgemeine als recht angenehm empfundene Abkühlung dürfte aber nur von kurzer Dauer sein. Heute, längstens morgen schon wird voraussichtlich eine stärkere Temperaturzunahme und Aufheiterung eintreten.