Die Storstad nach der Kollision mit der Empreß of Ireland Quelle: McCord-Museum unter der Referenzunmmer VIEW-14171 Lizenz: Gemeinfrei

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Tragödie auf hoher See

Zur Katastrophe der „Empreß of Ireland“

Kommission unter Lord Mersen befindet Offizier des Kohlenschiffes "Storstad" verantwortlich für den Unfall, bei dem über 1000 unschuldige Passagiere ums Leben kamen. Die "Storstad" kam mit geringem Schaden davon, die Crew blieb unverletzt.

Zu dem an anderer Stelle unseres Blattes gegebenen Entscheid der mit der Untersuchung des Zusammenstoßes betrauten Regierungskommission wird noch gemeldet:
Quebeck, 11. Juli. Lord Mersen hat heute die Beschlüsse der Untersuchungskommission zur Katastrophe des „Empreß of Ireland“ verlesen.Es heißt darin unter anderem, daß der Offizier Tustenes, welcher zur Zeit des Unglücks die Verantwortung für die Führung der „Storstad“ trug, zu tadeln ist, weil er den Kurs des Kohlenschiffes geändert hatte. Wir bedauern, führte Lord Mersen zur Frage der Verantwortlichkeit an dem Unglück aus, irgend jemandem die Schuld beimessen zu müssen, doch konnten wir zu keinem anderen Ergebnis kommen, als zu dem: daß Tustenes verkehrt und nachlässig handelte, als er bei dem Nebel den Kurs änderte, wie er es unzweifelhaft getan hat. Er handelte falsch und nachlässig, indem er die Führung des Schiffes behielt und den Kapitän nicht rief, als er sah, daß der Nebel kam. Der Bericht führt weiter aus, daß das Unglück in keinem Falle irgendeiner besonderen Eigenart der St.-Lorenz-Wasserstraße zugeschrieben werden könnte, es würde sich unter den gleichen Verhältnissen auch überall anders zugetragen haben. Hinsichtlich der Frage, in welcher Weise die Schiffe sich einander näherten, führt der Bericht aus, daß die Frage der Verantwortlichkeit sehr einfach liege und sich aus der Verantwortung der Frage ergebe, welches der Schiffe den Kurs im Nebel geändert habe. Tustenes habe sich in einem Irrtum befunden, wenn er geglaubt habe, daß bei der „Empreß of Ireland“ die Absicht bestand, Backbord an Backbord aneinander vorbei zu fahren, oder daß sie durch ihre Lichter die Absicht kundgetan hätte, dies zu tun. Doch es hab den Anschein, als ob das Mißverständnis keine Folgen gehabt haben würde, wenn nachher beide Schiffe den Kurs eingehalten hätten.

Der Bericht gibt weiter der Überzeugung Ausdruck, daß Kapitän Kendall vorsichtiger gehandelt haben würde, wenn er weiter von der Storstad abgehalten hätte. Immerhin sei die Kommission nicht der Ansicht, daß darin Kapitän Kendall zur größeren Vorsicht das Schiff stoppen ließ, eine unseemännische Handlungsweise zu erblicken sei, oder daß dem Umstand, daß es nicht weiter auswich, ein Teil der Schuld an dem Unglück beizumessen sei. Der Grund für das Rasche Sinken der „Empreß of Ireland“ sei gewesen, daß die Schließschotten zwischen zwei Kesselräumen beschädigt waren. Der Bericht empfiehlt, zukünftig bei Nebel die wasserdichten Schotten soweit als möglich geschlossen zu halten und empfiehlt weiter die Verwendung von Flößen, welche ins Wasser gleiten, wenn das Schiff sinkt.