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Falsche Kritik von Links

Deutschlands sozialpolitische Leistungen

Immer wieder wird Deutschland vorgeworfen, zu wenig Sozialleistungen zu bieten. Dass das nicht stimmt, kann man im Nachtrag zum Jahresbericht der Handelskammer zu Osnabrück nachlesen.

Obwohl für unser Vaterland, wo der Arbeiter mit regelmäßigem lohnenden Erwerb rechnen kann und einen Aufschwung der Lebenshaltung durchgemacht hat, wie in keinem anderen Lande der Welt, nicht der geringste Anlass besteht, andere Staaten in der Schaffung sozialpolitischer Gesetze und Fürsorgeeinrichtungen zu überbieten, ist die Überlegenheit Deutschlands auf sozialpolitischem Gebiete über jeden Zweifel erhaben und auch vom Auslande allgemein anerkannt. Das hindert natürlich unsre Sozialreformer der roten und rosaroten Spielart nicht im mindesten, das Gegenteil zu behaupten und immer neue Forderungen zu erheben, angeblich, damit Deutschland nicht durch andere Länder in den Schatten gestellt werde. Dieser Irreführung der öffentlichen Meinung tritt der soeben erschienene Nachtrag zum Jahresbericht der Handelskammer zu Osnabrück in beweiskräftigen Ausführungen entgegen.

„Wie unberechtigt,“ hieß es da, „die uferlosen Forderungen unsrer extremen Sozialfanatiker sind, geht schon aus der Tatsache hervor, dass u.a. die Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Altersversicherung in keinem anderen Lande einen so großen Versicherungskreis umfasst wie in Deutschland. Die Krankenversicherung kommt in Italien 3, in Ungarn 4, in Belgien 6, in Holland 8, in Schweden 11, in Österreich und Frankreich 12, in Norwegen 14, in Luxemburg 15, in der Schweiz 21 und in Dänemark 25 v.H. der Bevölkerung zugute, während in Deutschland 30 v.H. von dieser Wohltat umfasst werden. Bei der Unfallversicherung steht Deutschland wiederrum mit 30 v.H. seiner Bevölkerung an der Spitze, während in England seit kurzem nur 29 v.H., in Österreich nur 13 v. H. der Bevölkerung an dieser Versicherung Anteil haben, die einigen anderen Staaten noch unter dem letzten Prozentsatz verbleibt. Auch in der Invaliditäts- und Altersversicherung wird Deutschland mit 24 v. H. der davon erfassten Bevölkerung von keiner andern Nation erreicht. Das gleiche Bild zeigt sich in den Leistungen der sozialen Versicherungen. In Deutschland entfallen im Durchschnitt auf einen Erkrankten jährlich  63,2 M., welchem Satz in Österreich 31,2 M., in Italien 32 M., in Belgien 36M., in Frankreich 40M., in Luxemburg 42,4 M., und in Ungarn 44,3 M., gegenüberstehen. An Unfallentschädigung wurden im Jahre 1911 in Deutschland 166,6 Millionen Mark ausgezahlt gegen 1910 in Österreich 28,4 Millionen Mark, gegen 1909 in Frankreich 1,3 Millionen Mark, in Holland 5,1 Millionen Mark. Bei der Invaliden- und Altersversicherung bezifferten sich in Deutschland die Leistungen im Jahre 1911 auf 203,9 Millionen Mark, eine Summe, die ebenfalls in keinem anderen Lande auch nur annährend erreicht worden ist.“

Angesichts dieser Feststellungen kann nur noch, wer den Dingen Gewalt antun will, die Behauptung wagen, dass Deutschland der sozialpolitischen Rückständigkeit zu verfallen drohe!