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Die Aushungerung Deutschlands. - Vier neue Überdreadnoughts.

Frankreichs Flottenpolitik im Mittelmeer

Die Beratungen des Marinebudgets haben in Frankreich zu einer Diskussion geführt, wie die französische Vormacht zur See im Mittelmeer gesichert werden kann.

Bei der Beratung des Marinebudgets im französischen Senat betonte gestern Gaudin de Vilaine die Notwendigkeit, die strategische und taktische Aufklärung für die Schlachtflotte durch den Bau von Schlachtkreuzern zu sichern, die ebenso für die Schlacht, wie für die Aufklärung geeignet seien, und deren einige Spezialschiffe beigegeben werden müßten. Der Berichterstatter Emile Chautemps erinnerte daran, daß der Hauptgesichtspunkt für Frankreichs Marinepolitik der sei, um jeden Preis Frankreichs und seiner Verbündeten Herrschaft im Mittelmeer zu erhalten. Einerseits bedürfe Frankreich des ungestörten Verkehrs mit Nordafrika und seinen weiter abgelegenen Besitzungen, andererseits müsse Deutschland, wenn seine Küsten durch die russische und englische Flotte blockiert sein würden, daran verhindert werden, Rohstoffe und Lebensmittel über die italienischen udn österreichischen Häfen zu beziehen. Wenn Deutschland vom Meere abgeschnitten sein würde, so würde es einen langen Krieg nicht aushalten können. Der Berichterstatter warf die Frage auf, ob Frankreich eine entscheidende Überlegenheit über die vereinigten Flotten Italiens und Österreichs besitze, und beantwortete sie dahin, daß zurzeit die materiellen Kräfte auf beiden Seiten gleich seien, daß aber Frankreich eine zur Erringung des Sieges genügende Überlegenheit durch die Einheit des Kommandos und die einheitliche Friedensausbildung besitze. Um jedoch diese bloße Gleichheit der materiellen Kräfte aufrechtzuerhalten, brauche Frankreich vier neue Überdreadnoughts. Man müsse eben die für das Gefecht brauchbare Flotte von 28 auf 33 gepanzerte Schiffe bringen, nämlich 4 Geschwader zu 8 Schiffen und ein gepanzertes Flottenflaggschiff, die 4 erforderlichen Neubauten müßten Schlachtkreuzer sein.

Bei einem Überblick über die Marinebudgets der Rivalen Frankreichs im Mittelmeere zeigte Chautemps, daß diese ebenso, wie das französische, sich in sechs Jahren verdoppelt hätten. Frankreich werde 1914 über 650 Millionen Francs aufwenden, aber die Erweiterung des Bauprogramms, die Rebner vorschlage, werde ohne nochmalige Erhöhung des Marinebudgets in späteren Jahren durchgeführt werden können. Pierre Baudin, ehemaliger Marineminister, glaubt nicht, daß Frankreich den Anstrengungen seiner Rivalen ohne Ende folgen könne. Frankreich könne aber seine Seemacht auch anders, als durch die Ausdehnung seiner Neubauten stärken. Rebner betonte die Notwendigkeit der zur Debatte stehenden Aufklärungsschiffe und von Forts. Vor allen Dingen verlangte er Folgerichtigkeit der weiteren Maßnahmen und die Unterlassung kostspieliger technischer Experimente ohne handgreiflichen Wert.