Wirtschaft > Die Kolonien >

Zweimonatige Studienreise nach Deutsch-Ostafrika

Koloniales

In Deutsch-Ostafrika herrscht Arbeitskräftemangel. Über dieses Problem hat der Gouvernementsrat in seiner letzten Sitzung beraten.

Im Gouvernementsrat von Deutsch-Ostafrika wurden am Mittwoch bei Fortsetzung der Besprechung der Arbeiterfrage Klagen über Arbeitermangel besonders für Sisalpflanzungen vorgebracht. Das bisherige Ergebnis der neuen Anwerbeverordnung habe enttäuscht. Der Gouverneur legte dar, daß ungeachtet des zeitweiligen Zurückbleibens des Arbeiterangebots hinter der Nachfrage die Arbeitsverhältnisse in Deutsch-Ostafrika am günstigsten von allen deutschen Kolonien lägen. Weiter wies der Gouverneur ziffernmäßig nach, daß die bisherigen Resultate der neuen Anwerberverordnung nicht ungünstig feiern. Für ein endgültiges Urteil sei die Zeit zu kurz. Auf den von einem Mitgliede vorgebrachten Wunsch, daß die amtliche Anwerbung eingeführt werden möchte, erwiderte der Gouverneur, dies sei nicht angängig, weil der Vorschlag zu einem Arbeitszwang führen müßte. Die Notwendigkeit ausreichender Arbeiterfürsorge wurde allseitig anerkannt. Der Gouvernmentsrat erklärte sich einstimmig, das evangelische und katholische Missionsmiitglied eingeschlossen, gegen die Aufhebung der Haussklaverei bis zum Jahre 1920, billigte die Grundsätze der Denkschrift des Gouverneurs und befürwortete weitere Maßnahmen zu einer allmählichen Beseitigung. Eine Resolution betreffend Schaffung eines landwirtschaftlichen Kreditinstituts wurde angenommen. Ferner wurde eine Kommission zur Beratung über die Polizeitruppe eingesetzt. Nach Erörterung von Einzelfragen sowie der Sonntagsruhe und der Buchführung der indischen Kaufleute, sowie von Anträgen aus dem Kreise der Mitglieder wurde der Gouvernmentsrat geschlossen.

Die erste (…) Studienreise nach Deutsch-Ostafrika, die wir schon einmal ankündigten, wird am 14. August mit der Einschiffung der Teilnehmer in Neapel beginnen, die sich etwas 2 Monate lang in Ostafrika zu Studienzwecken aufhalten werden. Die Rückkehr soll etwa am 20. Oktober erfolgen. Der Zweck der Studienreise ist das Studium der Urwaldbestände in ihren verschiedenen Arten und unter den verschiedensten Verhältnissen, sowie der Pflanzungen und Betriebe, die von deutschen Forstleuten bereits angelegt sind. Es soll eine Fahrt nach dem Forstbezirk Moxogoxo mit der Mittellandbahn in die Uruguruberge stattfinden, die bis Tabora voraussichtlich ausgedehnt wird. Weiter ist eine Fahrt von Tanga mit der Nordbahn nach Usambara und dem Kilimandscharo geplant. Gelegenheit zur Jagd auf Großwild ist nicht gegeben da die zur Vergügung stehende Zeit hierzu nicht ausreicht. Der Direktor der Forstakademie zu Hannover-Münden, Oberforstmeister Fricke, Prof. Dr. Büsgen, dessen Spezialfach Tropenbotanik und der ein Kenner verschiedener Tropengebiete ist, sowie Prof. Dr. Rhumblex (Zoologe) werden als Dozenten an der Studienreise teilnehmen. Weiter ältere Forstleute und Forststudierende. Die Kosten werden für den Teilnehmer nicht unter 1700 M. betragen.