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Zusammenstoß in den Lüften

Militärballon Katastrophe bei Wien

Beim Versuch, einen Lenkballon zu überfliegen, hat eine Doppeldecker die Ballonhülle aufgerissen. Ballon und Flugzeug stürzten ab. Neun Soldaten fanden dabei den Tod.

Die österreichische Militärluftfahrt ist von einem schweren Unglück heimgesucht worden. Bei Klein-Schwechat explodierte der Luftballon „Koerting“ nach einem Zusammenstoß mit einem Flugzeug. Hierbei fanden neun Personen den Tod.

Wir erhalten hierüber nachstehende Drahtmeldung:

Wien, 20. Juni.

Heute Nachmittag explodierte der Militärlenkballon „Koerting“ in 20 Meter Höhe in der Nähe von Klein-Schwechat. Sämtliche Insassen: Hauptmann Hauswirth, die Oberleutnants Hofstetter und Platz, Leutnant Heidinger, ein Oberleutnant des militärgeographischen Instituts, ein Marineoffizier, zwei Militärchauffeure und ein Zivilingenieur stürzten ab und blieben tot. Die Ursache der Explosion ist bisher noch unbekannt. – Von anderer Seite wird mitgeteilt, dass eine halbe Stunde nach dem Aufstieg des Militärluftballons ein Farman-Zweidecker mit einem Offizier und einem Passagier aufgestiegen sei. Dieses Flugzeug soll mit dem Luftballon zusammengestoßen sein, worauf die Explosion des Ballons erfolgte, dessen Insassen abstürzten und verbrannten. Auch das Flugzeug ist mit seinen Insassen abgestürzt.
Weitere Einzelheiten, die über den Hergang der Katastrophe einige Klarheit bringen, werden uns im nachstehenden Telegramm gemeldet:

Wien, 20. Juni.

Um 8 Uhr ist der Koerting-Luftballon von der Ballonhalle Fischamend behufs aero-photogrammetrischer Aufnahmen hochgelassen worden. In der Gondel hatten Platz genommen Hauptmann Hauswirth, Oberleutnant Breuer, Leutnant Heidinger, Korporal Hadima, Gefreiter Weber und Ingenieur Kammerer. Das Luftschiff beschrieb seine Kreise in der Umgegend von Fischamend und steuerte alsdann gegen den historischen Königsberg. Um 8 ½ Uhr war der Feldpilot Leutnant Platz mit dem Fregattenleutnant Buchta als Beobachter auf dem erst kürzlich von der Heeresverwaltung angekauften Farman-Doppeldecker vom Flugfelde Fischamend aufgestiegen, um den Ballon zu verfolgen. Er umstreifte mehrmals diesen und suchte dann ihn zu überfliegen. Bei diesem Versuche streifte er die Ballonhülle, die einen Riss erhielt. Es erfolgte eine furchtbare Explosion. Der Ballon ging sofort in Flammen auf. Sowohl das Luftschiff als auch der Aeroplan stürzten aus etwa 400 Meter Höhe in die Tiefe und blieben am Abhang des Königsberges zertrümmert etwa 10 Meter voneinander entfernt liegen. Sämtliche Insassen des Luftschiffes wurden als verkohlte Leichen aufgefunden. Oberleutnant Platz und Fregattenleutnant Buchta sind gleichfalls tot. Ihre Körper sind furchtbar verstümmelt. Hauptmann Hauswirth war einer der ältesten Luftschifferoffiziere und seit bestehen der Luftschifferabteilung in Fischamend dieser zugeteilt worden. Oberleutnant Platz war einer der hervorragendsten Feldpiloten.