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Stärkere Unterdrückung befürchtet

Nach dem Attentat

In mehreren österreichischen Städten haben serbenfeindlichen Demonstrationen stattgefunden. Sollte die Regierung sich davon beeindrucken lassen, könnte sich die Krise verschärfen.

Die ersten politischen Folgen des Attentats, dem der österreichische Thronfolger und seine Frau zum Opfer fielen, sind serbenfeindliche Demonstrationen, in den verschiedenen österreichischen Städten, die besonders in Sarajewo selbst größeren Umfang angenommen haben. Ein besonders bedenkliches Moment ist es, dass der Bürgermeister von Sarajewo die herrschende Erregung noch durch eine Proklamation geschürt hat, in der Belgrad als Herd der Verschwörung bezeichnet wird.

Man muss hoffen, dass diese gefährliche Erregung nicht auch die regierenden Kreise Österreichs erfasst. Nichts törichter als eine neuerliche Verschärfung der Gewalt- und Unterdrückungspolitik. An einer solchen hat es gegenüber den österreichischen Südslawen in letzter Zeit nie gefehlt. In Kroatien herrschte fast ununterbrochen der Ausnahmezustand mit dem einzigen Erfolge, fortgesetzte Attentate auf den jeweiligen Statthalter hervorzurufen und das kroatische Nationalgefühl zu immer größerer Leidenschaft, zu immer stärkerem Haß gegen die ungarischen Unterdrücker anzustacheln. Auch die österreichische Regierung verstand es nie, die kulturellen und nationalen Bedürfnisse der Südslawen zu befriedigen. Nur deshalb konnte die irredentistische Propaganda, die von Serbien aus bei den Südslawen ebenso getrieben wird, wie in neuerer Zeit von Rumänien die Propaganda bei den Rumänen Ungarns, so große Verbreitung und so fanatische Anhängerschaft finden. Sollte das Attentat wirklich zu einer Verschärfung der bisherigen unglückseligen Politik führen, so würde es den endlichen Bankrott nicht aufhalten, sondern nur beschleunigen.