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Berlin-Neukölln

Der Lustmord in Neukölln

Der Verdächtige, der in Berlin-Neukölln eine Vierjährige vergewaltigt und erdrosselt haben soll, hat gegenüber der Polizei den Namen eines angeblichen Mittäters genannt. Die Polizisten halten den Verdächtigen allerdings für den alleinigen Täter.

Zu dem scheußlichen Verbrechen, über das im 1. Beiblatt berichtet wird, erhalten wir noch nachstehende Mitteilungen. Der unter dem Verdacht, die kleine Grete Rapp ermordet zu haben, verhaftete Hutmacher Beständig hat in einem späteren Verhör seinen angeblichen Freund Werner des Mordes an dem Kinde beschuldigt, und bestreitet auch, bei der Ermordung des Kindes zugegen gewesen zu sein. Es dürfte aber nach wie vor kaum einem Zweifel unterliegen, dass Beständig der alleinige Mörder des Kindes ist. Er gibt folgendes an:

Nachdem er am Sonnabend Abend mehrere Wirtschaften aufgesucht und stark getrunken habe, sei er erst gegen 12 Uhr nachts nach Hause gekommen. Er habe geglaubt, Werner dort vorzufinden. Statt dessen habe er entdeckt, dass dieser seinen Trauring und ein Paar Stiefeln mitgenommen habe und davon gegangen sei. Als er die Wohnung dann näher besichtigt habe, sei es ihm aufgefallen, dass das Bett durchwühlt gewesen und das Betttuch ganz durchnässt gewesen sei. Er habe sich dies nicht recht erklären können. Als er dann gegen 1 Uhr in den Garten gegangen sei, um sein Kaninchen zu füttern, habe er mit dem Fuß an einen Sack gestoßen. Als er diesen nun geöffnet habe, sei zu seiner größten Überraschung darin die Leiche der kleinen Rapp gewesen. Nun habe er sich gesagt, dass sein Freund das Kind getötet haben müsse. Um diesem „eine Gefälligkeit zu erweisen“, habe er ein Loch gegraben und die Leiche verbuddelt. Über die Vergangenheit Werners weiß er ausführlich zu berichten. Die Kriminalpolizei stellt nun fest, dass es tatsächlich einen Mann , auf die Beschreibung seines Vorlebens , die Beständig gibt, auch genau passt. Dass dieser aber mit Beständig in den letzten Tagen zusammen gewesen ist und sogar bei ihm gewohnt hat, kann jedoch nicht stimmen. Denn niemand im Hause hat während dieser Zeit gesehen, dass Beständig einen fremden Mann mitgenommen hat. Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass Beständig, der früher einmal mit Werner gearbeitet hat, diesen tatsächlich beschuldigt. Zur völligen Aufklärung bittet die Neuköllner Kriminalpolizei diesen Werner, sich bei ihr zu melden.

Beider Durchsuchung der Wohnung Beständigs wurde neben dem nassen Betttuch auch noch ein blutiges Messer gefunden. Der Mörder hat sein sein Opfer nicht nur erwürgt, sondern ihm auch noch mit dem Messer den Unterleib aufgeschnitten. Das Betttuch zeigte, obwohl es ausgewaschen worden war, noch deutliche Blutspuren. Beständig ist ein früherer Fürsorgezögling, der der Kriminalpolizei schon länger bekannt ist. Wegen Diebstahls ist er schon dreimal vorbestraft.