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Schlacht bei Metz

Die Siegreiche Schlacht bei Metz

So langsam gewöhnen sich die Deutschen an die Siegesnachrichten von der Front. Zu recht! Denn auf den Sieg bei Metz werden weitere folgen.

Jetzt ist es an der Tagesordnung, dass eine frohe Botschaft der anderen folgt. Das etwas bedrückend wirkende große Schweigen wandelt sich in jubelnde Kunde von Westen. Wie oft hörte man in den letzten Tagen die Worte: Wenn wir doch wenigstens wüssten, wo unsere Armeen kämpfen, und wer sie führt! Das ist eine ganz begreifliche Sehnsucht bei einem treuen und standhaften Volk, bei dem jede Familie mit Blut und Gut an dem großen Ringen beteiligt ist. Man will nicht Angst und Sorge hinter diesem Wunsch verbergen. Man will die Freude inniger genießen, will der Trauer fester gewappnet gegenüberstehen können. Jetzt ist zum zweiten Mal ein siegreicher Dührer genannt. Nach Emmich der Kronprinz Rupprecht von Bayern. Einem durch und durch monarchischen Volk liegt viel daran, die Männer zu kennen, die seine Söhne durch Blut zum Siege führen werden. Und man muss dieses Verlangen nach Heldenverehrung nicht unterschätzen. Haben sich doch um die gleich anfangs bekannten Namen und Gestalten unserer Heerführer der letzten großen Kämpfe alsbald Zuversicht und Glaube an den Erfolg zusammengeschlossen und wie eine treibende Kraft gewirkt auf alle, die noch daheim bleiben mussten, auf die immobilen und Ersatztruppenteile sowohl, wie auf die Väter und Mütter.

Rupprecht von Bayern ist Generalinspekteur einer Armeeinspektion. Wir wissen nicht, ob die siegreichen Truppen, welche ihm und sich selbst bei Metz den Lorbeer erstritten haben, die seiner Armeeinspektion waren, freuen uns aber ganz besonders über die Tatsache, dass Regimenter „aller deutschen Stämme“ unter dem bayrischen Königssohn vereinigt waren. Das schweißt noch enger die Kameradschaft zusammen. Das Band gemeinsamen Erlebens auf dem Kampffelde ist nie mehr zu zerreißen.

Zwischen Metz und Vogesen ist die große Schlacht geschlagen, deren Feld „einen größeren Raum einnimmt, als in den Kämpfen von 1870/71 unsere gesamte Armee in Anspruch nahm.“ Die Grenze von Metz bis zu dem Vogesengebirge in Höhe Straßburgs beträgt über 100 Kilometer. Es ist ein welliges, hügelreiches Gelände, das dem ganzen Offizierskorps des deutschen Heeres so vertraut ist, wie die eigene Heimat. Das ist keine Übertreibung. Kaum hat der Fähnrich die Epauletten bekommen, so vertieft er sich alsbald dienlich in die Generalstabskarten und Kriegsspielpläne von Metz und Umgegend. Und von diesen Orten und Weilern von Saarburg bis Diedenhofen nimmt er deutsche Offizier erst Abschied, wenn er den Rock seines letzten Regiments auszieht. Jede Schlucht, jeden Vorpostenhügel, jeden Waldweg, für spähende Patrouillen geeignet, findet er selbst dann, wenn er, müde vom Tagesdienst theoretisch Schlachten schlagen muss, im Kriegsspiel. Es war etwas gewagt von unseren Feinden, gerade in diese uns so bekannte Welt hinein ihren Vorstoß zu richten.

Mit „starken Kräften“ ist der Feind in Lothringen eingelassen, wie vor wenigen Tagen in das Oberelsass. Also überall längs der Grenze des Reichs hat er die Offensive ergriffen. Nicht weil er vor uns fertig war für solche Unternehmungen – es fehlt ihm an Bekleidung und Ausrüstung ja noch so viel –, sondern weil es zum Glaubensbekenntnis der zuletzt in Paris maßgeblichen Führung gehört, gegen uns offensiv sein zu müssen. Welch ein Irrtum! Ist dem deutschen Heeresgefüge schon im Angriff kaum zu widerstehen, so ist es in der Verteidigung erst recht nicht ins Wanken zu bringen. Und dann beschränkt sich deutsche Taktik auch nicht auf tote, starre Defensive. Bals drehen wir den Spieß um und machen aus der Abwehr den Angriff. So wird’s bei Metz, zwischen Festung und Vogesen, gegangen sein, und dass der Vorstoß unter Rupprecht von Bayern nicht allzu sanft, sondern mit echt bajuvarischer Derbheit erfolgte, dafür sprechen beweiskräftig die „vielen Tausende von Gefangenen und die zahlreichen Geschütze,“ welche deutsche Beute geworden sind.

Man sieht dem Siegestelegramm an, dass es in fliegender Hast geschrieben wurde. Es war noch keine Zeit zum Abwägen des Erfolges. Noch immer liefen Meldungen ein über die errungenen Teilsiege des weiten Kampffeldes. Und schneller noch lief der Feind, dem man doch nachjagte in unaufhaltsamem Drang nach vorwärts. Und dieser Drang nach vorwärts, das ist der Sieg! Nach dem Kampf bei Montoire, wo im letzten deutsch-französischen Kriege das kleine Detachment Baltenstern (79. Infanterieregiment) sich durch eine vielfache Übermacht siegreich durchschlug, gestand ein gefangener französischer Oberst: „Il est impossible, de résister à un tel hourra.“ Solch einem Hurra kann man nicht wiederstehen! Die Bayern und die Söhne der anderen deutschen Stämme, die 1914 ihr Hurra riefen, werden nicht weniger lungenkräftig gewesen sein als ihre Väter und Großväter.

Metz und Lüttich haben den Reigen eröffnet. Möge dieses lothringische Vorspiel, wie das belgische bei Lüttich, von bester Vorbedeutung sein. Dankbar und mit Bewunderung begleiten wir in unseren Gedanken die unwiderstehliche deutsche Armee.