Mobilmachung
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Lothringen

Eine französische Brigade bei Lunéville zurückgeworfen

An der Westfront eilt das deutsche Heer von Erfolg zu Erfolg. Nun konnte in Lothringen eine französische Brigade entscheidend geschlagen werden.

Erfolgreicher Angriff der deutschen Vorhut – Die erste französische Fahne erbeutet – 700 Franzosen gefangen.

Amtlich wird bekanntgegeben: Eine vorgeschobene gemischte Brigade des französischen 15. Armeekorps ist von unseren Sicherungstruppen bei Lagarde in Lothringen angegriffen worden. Der Gegner ist unter schweren Verlusten in den Wald von Paroy, nordöstlich Lunéville zurückgeworfen und hat in unseren Händen eine Fahne, zwei Batterien, vier Maschinengewehre und etwa 700 Gefangene gelassen. Ein französischer General ist gefallen.

Auch dieser Sieg bedeutet einen wichtigen Erfolg. Es waren offenbar auch in Lothringen starke französische Erkundungsabteilungen eingedrungen. Sie sind nicht weit gekommen; in dem bergigen Grenzgelände zwischen Saarburg und Apricourt ist ihnen eine empfindliche Niederlage bereitet worden. Bei der Verfolgung scheinen unsere Grenzsicherungstruppen bereits aus französisches Gebiet gekommen zu sein, und zwar dahin, wo die Endstrecke der wichtigen französischen Aufmarschlinie Chalons-Bar-le-Due-Nanch-Lunéville mündet. Von Lunéville führt die Bahn weiter nach Saarburg-Zadern-Straßbourg und wird hart westlich der Grenze durch das starke feindliche Sperrfort von Monvillers beherrscht, einem Glied der langen Befestigungslinie von Verdun bis Belfort. Besondere Freude wird die Erbeutung der ersten Tricolore hervorrufen. Die Tatsache, das 700 Gefangene gemacht werden konnten, ist bemerkenswert. Sehr angenehm berührt die  klare und sachliche Abfassung der Meldung. Es ist in den letzten Tagen auch in amtlichen Kundgebungen wiederholt darauf hingewiesen worden, dass im Auslande die wildesten Mitteilungen über die Kriegsvorgänge verbreitet sind. Sogar holländische Zeitungen vom 9. August, die uns vorliegen, sind mit solchen Mitteilungen angefüllt. Eine ruhige sachliche amtliche Berichterstattung über die deutschen Waffentaten muss diesem Treiben am ehesten ein Ende bereiten. Die Ereignisse selbst werden sich als stärker erweisen als die zeugungskräftige deutschfeindliche Phantasie.

Bekanntgabe der Nachricht auf Befehl des Kaisers.
Der Kaiser empfing, wie das W.T.B. mitteilt, gestern Abend um 7 1/4 Uhr den Botschafter Lichnowsky und den Gesandten v. Below. Als im Schlosse die Nachricht von unserem Siege in Lothringen eingetroffen war, befahl der Kaiser, sofort die Nachricht in der Umgebung des Schlosses dem Publikum durch Schutzleute bekannt zu geben. Dies geschah und die Nachricht wurde überall mit der größten Freude und Hurra- und Hochrufen aufgenommen.