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Entwertung von Vermögen möglich?

Geld und Vermögen in Kriegszeiten

Der Wert von Papiergeld wird zu Kriegszeiten unterschätzt, die Ansammlung von Gold überschätzt.

Ist das Papiergeld irgendwelcher Gefahr einer Entwertung in Kriegszeiten ausgesetzt?
Diese Frage ist mit ziemlicher Bestimmtheit zu verneinen. Im Falls eines ununterbrochen siegreichen Vordringens unserer Truppen in Feindesland selbstverständlich nicht. Aber auch wenn unsere Waffen Unglück haben sollten, ist noch immer mit großer Wahrscheinlichkeit darauf zu rechnen, dass unser Papiergeld (das eigentlich gar keins ist) seinen vollen Wert bewahren werde. Wir dürfen diese Erwartung aussprechen im Hinblick auf die Geordnetheit unseres gesamten Finanz- und Bankwesens, aber auch in Erinnerung an ähnliche Fälle der Geschichte, namentlich an die Erfahrungen, die im Kriege 1870/71 in Frankreich gemacht worden sind. Damals waren die Noten der Bank von Frankreich ebenfalls für uneinlösbar erklärt worden, und trotzdem haben sie i Inlande ihren Wert unverminderlich erhalten, sind sie überall, auch in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten mit vollem Wert umgelaufen, während ihr sogenannter Außenwert, das heißt ihre Geltung fremden Valuten gegenüber, in der ungünstigsten Zeit nur um wenig Prozent unter Pari sank. Was Frankreich damals gekonnt hat, werden wir heute, denke ich, doch auch noch fertig bringen!

Unser hyperkluger Goldreservist ist also im Grunde recht dumm. Er unterschätzt die Geltungskraft unseres sogenannten Papiergeldes doch ganz gewaltig. Er ist aber zweifach dumm, weil er nämlich auf der anderen Seite die Geltungskraft seines Haufens von Goldstücken, die er aufspeichert, erheblich überschätzt.

Er sollte sich doch einmal klarmachen, was er eigentlich besitzt, wenn er sein Päckchen Gold- oder Silbergeld geborgen hat. Die Metallsubstanz – gewiss, die er später einmal ausschmelzen lassen kann, um sich Schmuck daraus fertigen zu lassen – wohlgemerkt, wenn es noch jemanden gibt, der diese Arbeit verrichten will. Im Übrigen, soweit er „Gold“ besitzt, verfügt er über ein „Sachvermögen“ in der Höhe einer nach Mark ausgedrückten Summe. Was bedeutet das denn? Offenbar die Macht, in Höhe dieses Betrages über fremde Arbeit und fremde Arbeitsleistungen zu verfügen. Mehr nicht. Er kann von seinem „Vermögen“ nicht einen Tag leben, wenn ein anderer ihm nicht Nahrungsmittel verkauft. Dazu gehört aber, dass ein verkehrswirtschaftlicher Mechanismus in einem geordneten Staatswesen funktioniere. Fällt diese Voraussetzung weg, so löst sich auch das „Vermögen“ unseres Geldbesitzers in nichts auf. Sein Vermögen, das zufällig die Goldform angenommen hatte, wie jedes andere (Sach-)Vermögen: ganz gleich, ob es in Wertpapieren oder Fabrikgebäuden, oder Waren, oder Grundstücken besteht. Alles ist ein wertloses Nichts, wenn der Arbeitsmechanismus der Gesellschaft eine Störung erfährt. Allenfalls kann jemand auf seinem (nicht bebauten) Grund und Boden spazieren gehen.

In kritischen Zeiten, wie es Kriegszeiten sind, besinnen wir uns auf diese schlichte Tatsache: dass aller Besitz nichts anderes für uns bedeutet als die vom Staate garantierte Befugnis, einen Teil des nationalen Arbeitsertrages für uns zu beanspruchen.
Die praktische Nutzanwendung, die wir aus dieser Besinnung ziehen sollen, ist die: dass alles darauf ankommt, den Mechanismus der nationalen Arbeit vor Störungen zu bewahren. Eine solche Störung kann aus der Thesaurierung von Metallgeld erwachsen. Deshalb handelt der Aufstapler geradezu gegen sein wohlverstandenes Interesse, ganz abgesehen davon, dass er die Interessen anderer und der Gesamtheit schädigt. Worauf es unter anderem – ja, vor allem – ankommt in dieser Zeit, ist zu verhindern, dass die Räder des Kreditverkehrs zum Stillstand kommen. Der Kreditverkehr ist in unseren Banken organisiert, die letzten Endes von dem guten Funktionieren der Reichsbank abhängig sind. Auf deren Intaktbleiben ruht jetzt aber auch die für den Kleinkredit so bedeutsame Einrichtung der Sparkassen, sofern diese durch Verpfändung von Wertpapieren sich Bargeld verschaffen müssen und bei dieser Verpfändung neben den übrigen Geldinstituten vor allem die Reichsbank in Betracht kommt, die allerdings für Lombarddarlehen nur ihr Kapital (in Höhe von jetzt etwa 254 Millionen Mark) zur Verfügung hat, da zur Deckung der Noten kombardierte Wertpapiere nicht zugelassen sind.

Nun hängt aber die Kreditfähigkeit der Reichsbank im wesentlichen ab von dem Goldvorrat, den sie in ihren Tresors aufgespeichert hat, da er ja über den Betrag der anzugebenden Noten entscheidet. Jede 100 Mark Gold bedeuten 300 Mark Noten mehr. Eine weise Goldpolitik der einsichtigen Reichsbankverwaltung hat dafür gesorgt, dass sich in den letzten Jahren der Goldbestand der Reichsbank wesentlich vermehrt hat. Er könnte aber immer noch weiter anwachsen, da er nur etwa ein Viertel der in Deutschland zirkulierenden Goldmünzen ausmacht. Das (unleserlich!) in der gegenwärtigen (unleserlich!) wäre, dass alles Gold sich in den Kellern der Reichsbank konzentrierte, das wären zirka 5 Milliarden, damit diese den dreifachen Betrag – 15 Milliarden – Noten ausgeben könnte. Dann würde allerdings die Spannung unserer Kreditwirtschaft aufs Äußerste gesteigert sein. Aber darauf muss meines Erachtens auch allen Sinnen und Trachten gerichtet sein. Nicht gilt es, zurückzufallen in unentwickelte Wirtschaftsverlassungen; durch Ankauf von Esswaren, Aufspeicherung von Hartgeld, Abhebung der Bankguthaben, sondern das Ziel muss sein: den modernen kreditwirtschaftlichen Verkehr bis zu seinen höchsten Leistungen sich entfalten zu lassen.

Damit bin ich zu Erwägungen gekommen, die ich noch zu allgemeineren Betrachtungen erweitern möchte. Ihnen soll ein nächster Artikel gewidmet sein.