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Keine Aufbahrung in der Hofgruft

Die Trauer in Wien

Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin sollen gemeinsam in der Stefanskirche oder im Schloss Belvedere aufgebahrt werden. Selbst sozialistische Zeitungen empören sich über das Attentat von Sarajewo.

Die Leiche des Thronfolgers wird nicht in der Hofgruft der Kapuzinerkirche aufgebahrt werden, sondern in der Stefanskirche oder im Schloss Belvedere, damit der Erzherzog und seine Gemahlin gemeinsam aufgebahrt werden können.

Alle Blätter, auch die sozialistische „Arbeiterzeitung“ geben ihrer Empörung über das Attentat von Sarajewo Ausdruck und nehmen an, dass dem Verbrechen serbischnationalistische Motive zugrunde liegen. „Ein ungemein starker Wille“, sagt das Blatt, „hat hier zur Erfüllung gedrängt, ein ausgeprägtes und weithin schweifendes Selbstbewusstsein danach gestrebt, der Welt als Gesetz sich zu setzen, ihr Richtschnur und Autorität zu werden.“ Die „Neue Freie Presse“ schreibt: „Ein Balkanmord war es, der in Sarajewo verübt wurde. Die Überzeugung hat jeder, dass hinter den Attentätern Leute stehen, die nicht zu fassen sind und diese Werkzeuge ausgerüstet haben. Wenn dieses Verbrechen jedoch bedeutet, dass die Fenster in den Balkan hinein, wie Bosnien und die Herzegowina von Andrassy genannt wurden, durch eine freche Politik eingeschlagen werden sollen, wenn die Schüsse aus dem Hinterhalt mitteilen sollen, dass unsere Herrscher und deren Thronfolger als Gastfreunde von Sarajewo immer solche Grüße empfangen werden, dann ist die einzige Antwort: „Hier sind wir und hier bleiben wir.“ Die christlichsoziale „Reichpost“ schreibt: „Blutenden Herzens muss man verzeichnen, dass der Mörder jenem Volksstamm angehört, der sich seit jeher der größten Aufmerksamkeit und des größten Wohlwollens und wohl auch der Nachtsicht gerade unseres Erzhauses erfreute. Eine Verschwörung hat den Erzherzog gemordet, die auf Abtrennung südslawischer Gebiete des Reiches abzielt. Immer wieder häufen sich Anzeichen dieser tückischen Propaganda. Ihre Anhänger dürfen aber nicht glauben, dass mit dem gestrigen Attentat auch die Ideen des Erzherzogs vernichtet worden sind.