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Kriegsbegeisterung

Mitternacht Unter den Linden

Auf der Berliner Prachtstraße Unter den Linden herrschte noch um Mitternacht ein Gedränge wie sonst nur in der Silvesternacht.

Das Berliner Straßenleben wurde mit vorrückenden Abendstunden immer lebhafter. Aus den Restaurants und Cafés strömten große Scharen den Linden zu, und während diese Straße sonst an dem sogenannten „Nachtleben“ keinen wesentlichen Anteil hat, war gestern dort in der zwölften Stunde ein Gedränge, dass sich stellenweise zum festen Knäuel zusammenballte. Man sah viele Fremde und besonders viel hörte man die österreichischen Mundarten; es wird ja auch wohl keinen hier ansässigen Bürger Österreichs oder Ungarns gegeben haben, den es an einem solchen Tag zu Hause geduldet hätte. Die französische Botschaft am Pariser Platz lag ziemlich unbeobachtet da. Nur wenigen Passanten fiel auf, dass, während die Front sonst völlig im Dunklen lag, das Vestibül noch hell erleuchtet war.

Eine starke Stauung aber war vor der russischen Botschaft Unter den Linden, vor der Polizeioffiziere und Schutzleute auf und ab patrouillierten. Überhaupt sah man viel Polizei Unter den Linden, und stellenweise, wie am Brandenburger Tor, stärkere Reserven. Um zwölf Uhr gab es an der Kranzler-Ecke kein Vorwärts und kein Rückwärts. Wäre der Anlass nicht so ernst gewesen, hätte man an den Trubel der Silvesternacht denken können.