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Militante Frauenrechtlerinnen

Neue Taten der Frauenrechtlerinnen

In London ist ein ganzer Bahnhof niedergebrannt, nachdem offenbar Suffragetten eine Bombe in einem Postzug versteckt hatten. Es ist ein neuerlicher Höhepunkt der Gewalt durch die Frauenrechtlerinnen. Auch in Edinburgh kam es zu einem Eklat.

London, 13. Juli

Die hysterischen Wahlweiber setzten gestern ihre Freveltaten fort. Der Blaby-Bahnhof der London-Northwestern-Bahn zwischen Letcester und Ryneaton ist von Suffragetten gänzlich niedergebrannt. Der Schaden beträgt mehrere tausend Pfund. Als um Mitternacht der Postzug, der die Briefe zwischen Blackpool und Manchester befördert, den Bahnhof von Gatwich passierte, fand eine Explosion in den Postsäcken statt, während die Briefe sortiert wurden. Der Zugführer konnte, obgleich er schwere Brandwunden erlitt, die Flammen löschen, jedoch wurden Hunderte von Briefen vernichtet. In dem Postsack fand man eine Bombe aus Schwefelsäure und Sprengstoffen. Man nimmt ein Attentat der Suffragetten an.

Heute versuchte ein Wahlweib die historische Saint-Johns-Kirche in Westminster in die Luft zu sprengen. Vorübergehende bemerkten, dass eine bekannte Suffragette aus der Kirche kam. Der Kirchendiener fand eine Bombe mit angezündeter Lunte neben dem Altar. Die Suffragette wurde verhaftet. Die „Morning Post“ stellt in einem Leitartikel fest, dass das hysterische Volk der Frauenrechtlerinnen seit 1913 acht Kirchen gänzlich, neun teilweise niedergebrannt hat. In zwölf Kirchen fanden Bombenattentate statt. 36 Häuser wurden gänzlich, 18 teilweise verbrannt. 42 Sportgebäude, 23 Schulen, Bahnhöfe und andere Gebäude wurden entweder gänzlich oder teilweise zerstört. Über 4000 Briefe sind durch Suffragettenattentate vernichtet worden.
Zehn Attentate fanden auf Bilder und öffentliche Galerien statt. Der Gesamtschaden wird auf mehr als acht Millionen Mark geschätzt. Dazu kommt noch der unschätzbare Schaden an berühmten Bildern und historischen Kirchen.

Über die Tätigkeit der Frauenrechtlerinnen bei dem Besuch des englischen Königspaares in Edinburgh erhalten wir von dort folgendes Stimmungsbild:

Die Königstage haben Edinburghs Stadtgesicht nicht viel verändert. In den Höfen und Gassen vor dem Holyrood Palace liegt die gleiche Schmutzpasta wie immer und aus den Stockwerken flattern Bazillenfahnen – Wäschestücke, die weiß sein sollen. Zwischenhinein weht der Union-Jack oder eine schottische Fahne. Vor dem Schlosse keine merkliche Absperrung. Die Fahrbahn ist durch tragbare, graublaue Barrieren verengt. Außer den Hochländerwachen vor dem Hauptportal steht nirgends ein Soldat. Einige Polizisten regeln mit winkender Hand den Umwegsverkehr. Bald dort, bald da kommen junge Leute mit Gewehren. Sie gehen nach einem nahen Schießplatz. Niemand wird nervös darüber. Auch zwei Jungen aus dem Urschlamm der Kanonengasse, die einen roten Fetzen an einen ausgedienten Besenstiel genagelt haben, lässt man in ihrem farbigen Kindervergnügen gewähren. Abends sechs Uhr soll das Königspaar von Glasgow eintreffen. Jedermann weiß Zeit und Weg der Majestäten. Von der Waterfey-Station her kommt Bewegung, aber keine übermäßige. Gerade das macht aber den Einzug besonders würdig. Ein Polizeiautomobil fährt die Regent Road herauf, vier berittene Schutzleute folgen. Und nun kommen acht Spitzenreiter, schwarzbefrackt, auf prächtigen Schimmeln. Im ersten von drei vierspännig gefahrenen weißgrauen Hofwagen folgt dann das Königspaar. Der King schaut ernst und abgespannt drein. Was wird er in Glasgow alles ansehen und anhören haben müssen! Straffer als er sitzt und grüßt die blonde Königin. Kinder schwenken die schottischen und englischen Fähnchen, womit man sie versehen hat. Frauen winken mit dem Taschentuch, die Männer mit den Mützen. Da! Ein plötzliches Gewimmel am Königswagen! Suffragetten haben Flugblätter gegen die Karosse geworfen. Zwei kleingewachsene, verbissen dreinschauende Damen, dem Typ nach aus Altengland, sind im Nu bei den Handgelenken gefasst und werden von einem Gehege, das achtzehn Schatzleute bilden, umgeben. Keine Aufregung weiter. Wie der Naturfreund einen Ameisenlöwen oder einen Bombardierkäfer anschaut, sehen die Männer und Frauen sich die Suffragetten an. Man macht kein Aufhebens von den exzentrischen Damen.