Wirtschaft >

Nachwirkungen der H. B. Claflin and Co.-Pleite wohl gering

US-Wirtschaft verkraftet Millionen-Insolvenz

Die Nachricht, dass die US-amerikanische H. B. Claflin and Co. pleite sei, versetzte vielen Unternehmern einen Schock. Inzwischen zeigt sich, dass die Auswirkungen der Insolvenz geringer sein dürften, als zunächst befürchtet.

Dem ersten niederschmetternden Eindrucke des Zusammenbruchs der Firma H. B. Claflin and Co. folgte die zuversichtliche Annahme, dass die Wirkungen auf die Claflinschen Unternehmung beschränkt bleibe würde.

Man glaubt, dass für etwa zwanzig Claflinsche Detailgeschäfte zeitweilig Zwangsverwalter ernannt werden. Die Gläubiger wirken dem Vernehmen nach zusammen, um die Angelegenheit zu ordnen. Der Präsident John Claflin hat sich bereit erklärt, sein Privatvermögen zu opfern. Man erwartet, es werde bald die Ankündigung erfolgen, dass die Gläubiger voll befriedigt werden sollen. Gestärkt wird diese Zuversicht durch die Nachricht, dass der tüchtige Cornelius Bliss die Präsidentschaft der United Drygoods Companies und der Associated Merchants Company übernommen hat, wodurch eine scharfe Grenzlinie zwischen den beiden erwähnten und den Claflinschen Unternehmungen gezogen wurde. Die demokratischen Kreise in Washington begrüßen es mit Genugtuung, dass der Zusammenbruch nicht lediglich der Tarifrevision und der Trustpolitik zugeschrieben wird. Der Umstand, dass die weite Verbreitung der Wechsel, die neben der übermässigen Angliederung und Finanzierung von Detailgeschäften die Hauptgründe des Zusammenbruchs bilden, gilt als Gewähr gegen weitere ernstliche Nachwirkungen. Es wird betont, dass die Landbanken wegen der Vorbereitungen für das Bundesreservebanksystem in ungewöhnlich starker Verfassung sind. Man nimmt an, dass die Claflinsche Angelegenheit die Textilfabriken zu weiteren Einschränkungen Anlass geben wird, bis die Preise zu den Produktionskosten mehr entsprechen und die Situation geklärt ist. Nach vorliegenden Berichten sind keine Textilfabriken in den Neuengland-Staaten, deren Großkunde die Firma Claflin war, ernstlich betroffen worden. Die glänzenden Ernteaussichten und die günstigere Auffassung der europäischen und mexikanischen Lage sowie die Hoffnung auf ein gutes Herbstgeschäft schwächten die Wirkung des Claflinschen Zusammenbruchs auf die Fondsbörse ab.

Die Börse wird fast vollständig von der bevorstehenden Entscheidung der Frachtstrafenerhöhung beherrscht. Die Erklärung des Präsidenten Wilson, dass die Geschäftslage befriedigend sei und ein riesiger Auschwung nach Durchführung der Trustpolitik in Aussicht stehe, wird viel erörtert. In Börsenkreisen wird erklärt, dass angesichts der wenig befriedigenden Bahnausweise und der Dividendenkürzungen die allgemeine Situation viel zu wünschen übrig lasse. Die geschäftliche Lage im Westen und im Süden des Landes ist belebter infolge der günstigen Witterung und der guten Ernte. Die Bankkreise in Missouri erwarten einen außerordentlich großen Geschäftsaufschwung. Die geschäftliche Lage im Osten ist ruhig.

Die Aufträge der Banken im Monat Juni umfassen 370 000 t Stahl. Die Fabrianten für Ackerbaugeräte zeigen sich bereit, Abschlüsse auf zwölfmonatiger Basis zu machen. Die Produzenten sind dafür im allgemeinen aber nicht zu haben angesichts der jetzigen Preislage. Die National Tube Company hat die Aufnahme ds vollen Betriebes bei den Nickeeshorter Anlagen angeordnet.

In dieser Woche wurden 3 Mill. Pfd. Rohwolle ich Boston verkauft.

Die Wochenschau des Chicagoer Hauses Marshall Field führt aus, angesichts des Zusammenbruchs des grossen östlichen Hauses sei es angebracht zu erklären, dass die Zustände im Schnittwarengeschäft im wesentlichen gesund sind. Die Preise im letzten halben Jahr seien fest gewesen und hätten sich vor kurzem noch gebessert. Das Detailgeschäft sei ziemlich normal und die Warenlager seien ziemlich erschöpft. Die Käufer hätten noch nicht begonnen, den Bedarf für den Herbst zu decken. Die Fachschrift „Drygoods Economist“ hebt hervor, dass die ermutigenden Ernteberichte Aufträge aus dem mittleren Westen für Fabrikanten und Importeure gezeitigt hätten. Die Konfektionsbranche erwartet ein gutes Herbstgeschäft infolge der Capemode und der langen Tunikamode. Wollene Waren sind fester im Zusammenhang mit den höheren Preisen für Wollgarn. Das Geschäft in ausländischen Baumwoollwaren ist der Jahreszeit gemäß ruhig. Seide ist andauernd fest im Preise.

Die Weizenernte in Südwesten macht gute Fortschritte. Die Weizenpreise sind die niedrigsten seit dem Jahre 1906. Mit dem Beginn der großen Getreideausfuhr dürfte die Goldausfuhr ihr Ende finden. Die Bruttoeinnahmen der Eisenbahnen im Juni zeigen gegen das Vorjahr eine Abnahme von 3,7 pCt.